Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

Seite: 356
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Die erste Münchener Iahres-Ausstellung I88g. v. Die Sittenbilder. Von Friedrich Pecht

'Nachmiikag im Cast, von Robert Köhler

seine Menschen auch innerlich ziert. Ziemlich das Gegenteil könnte man von den Kneipbrüdern des Ernst
Zimmermann sagen, die unter sich die Geschichte vom Ei des Kolumbus neu ausführen. Sie muß der
gesunde Humor entsündigen mit dem der Maler sie dargestellt und das prächtige Helldunkel, in das er sie ge-
hüllt hat. Den Übergang zu den Phantasiestücken bildet dann ein höchst meisterhaftes Capriccio von Gabriel
Max, das eine Affenversammlung in kunstkrilischer Betrachtung eines eben ausgepackten großen Bildes darstellt,
einem Meisterwerk, von dem der Beschauer freilich nur den Rahmen und den hinten aufgeklebten Zettel zu
sehen bekommt, der ihn belehrt, daß es Tristan und Isolde darstelle und 200,000 Mk. koste. Natürlich genügt
letzteres vollkommen, um das auf der Bilderkiste eng zusammengedrängt sitzende kunstfreundliche Publikum —
denn über dieses wollte.sich der Maler offenbar lustig machen — mit staunender Bewunderung zu erfüllen.
Wie aber diese Affen und Äffinnen dargestellt sind, das könnte alle Tiermaler schwarz vor Neid werden lassen,
der selige Landseer hat nie besseres von Seelenmalerei geliefert. Die ganze Stufenleiter der Empfindungen,
von der tiefen sentimentalen Rührung einer schönen Seele in sehr gedrückter sozialer Stellung bis zum stolz
herablassenden Beifall eines vornehmen Kunstkenners, vom stumpfsinnigen Anglotzen der Mehrheit bis zum
entzückten Zungenschnalzen eines Kunstenthusiasten, sind mit urkomischer Bosheit geschildert. Wenn Max einmal
keine gequälten Frauenzimmer mehr findet, so braucht er sich offenbar nur der Tiermalerei zuzuwenden, um
der Unsterblichkeit sicher zu sein.

(Die Fortsetzung VI. Phantasiestücke im nächsten Hefte)

Modelle

Novellenkranz. Von Johannes proelß

IV. ?1sin nir


un aber etwas Lustiges!" unterbrach Professor
Lothar Schultz die Pause, die dem tragischen
Schluß der von ihm erzählten Capri-Idylle gefolgt war.
Doch Frau von Pawlowska, die schon längst über dem
Zuhören zu zeichnen aufgehört hatte, erwiderte: „Lasten
Sie die Erzählung ein wenig noch in uns ausklingen;

ich glaube es hat niemand Lust, sogleich nach Ihnen das
Wort zu ergreifen. Übrigens wird es bald Zeit zum
Aufbruch sein." Sie hatte inzwischen ihre niedliche
goldene Taschenuhr gezogen. „Jst's möglich, schon zwölf
Uhr! Wahrhaftig. Ta hören Sie, auf dem alten Turm
der Rattenberger Kirche fängt es zu Poltern an. Aber
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