Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 49.1933-1934

Seite: 202
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Der Maler und Graphiker Adolf Jutz

Ist der Maler der Bedeutendere oder der Graphi-
ker? Der Graphiker stand bisher stets im Vorder-
grund des Interesses. Bereits die Kriegszeichnun-
gen des Frontsoldaten, die 1916 in München, dann
auch anderweitig gezeigt wurden, erregten Auf-
sehen durch die phrasenlose, darum um so ein-
dringlichere Schilderung nackter Tatsachen. Da-
bei schienen die Landschaften umwittert vom Ge-
heimnis des Grauens — selbst wo sie in unberühr-
ter friedlicher Natur dahinblühten. zitterte etwas
— schicksalhaft — der Zerstörung und Vernich-
tung Preisgegebenes in ihnen. Die Köpfe der Feld-
grauen hatten einen Ausdruck von Kraft, der mit

Müdigkeit gemischt ist: man sah. das waren Leute,
die sich nicht mehr aufregten, weil die Aufregung
alltäglich war . . . Etwas seltsam Gespanntes hat-
ten diese Blätter auch in der Zeichnung, die knapp
und konzis war. Nichts Außergewöhnliches für
den ersten Blick. Und das war daran das Auf-
regende: sie wollten nicht imponieren durch geist-
reiche technische und handwerkliche Geschicklich-
keiten, sondern Lehen nur zeugen und Leben —
deuten. Im rein Handwerklichen waren sogar mit-
unter recht ungeschickte Dinge zu sehen. — In
Ausstellungen der Staatlichen Graphischen Samm-
lung, die hervorragende Blätter vom Zeichner und

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