Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 22.1887

Seite: 307
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Nekrologs.

fahren. Sie ist als Schwarzlithographie fllr künstlerische j
Zwecke fast ganz außer Gebrauch gekommen. Der Licht-
druck und zum Teil auch die Zinkätzung haben ihr j
die feinere Arbeit abgenommen und ihr mehr die di-
mensionale derbere, nach dem Kunstgewerbe hinüber- .
schielende Produktion iiberlassen. Selbst auf dem Ge-
biete der vor wenigen Jahren noch so schwungvoll
betriebenen Chromolithographie ist, freilich zum Teil
durch die eigene Schuld der Produzenten, ein Rllck-
gang eingetreten. Durch die Einführung der Schnell-
pressen wurde die Prvduktion enorm gesteigert, was ^
ein rapides Fallen der Preise zur Folge hatte, womit
leider auch der kllnstlerische Wert des Erzeugten
sank. Auf diesem Wege der Überkonkurrenz ging
speziekl in Wien die Lithographie als Kunstreproduktion
fast gänzlich zu Grunde. Sie arbeitet lediglich mehr
im gewerblichen Genre oder für wiffenschaftliche Zwecke-
Pflege findet die Schwarzlithographie noch in Frnnk-
rcich, auch in England; die Chromolithographie in
Deutschland (Berlin) und ebeufalls in England. Jn
Berlin sind es A. Frisch, Troitzsch, Steinbock und
Greve, welche besonders in der Aquarell-Jmitation
Vorzügliches leisten. Die ausgestellten Proben sind von
den Originalen kaum zu unterscheiden. Sehr Beachtens-
wertes haben auch die Firmen Prang L Comp. in
Boston und Sirouy in London ausgestellt.

Bei dem ungeheueren Aufschwunge der photo-
mechanischen Prozeduren ist es selbstverständlich, daß
auf der Ausstellung alle Zweige in den verschiedensten
Druckarten vertreten sind. Jn der Zinkhochätzung
überragt die Firma Angerer L Göschl in Wien
weitaus die Konkurrenten des Jn- und Auslandes.
Seitdem es durch ein sinnreiches Verfahren gelungen
ist, direkte Naturaufnahmen oder getonte Zeichnungen
von der Matrize weg auf die Zinkplatte in Typen zu
übertragen, hat die Anwendung der Zinkotypie be- j
sonders im Journalwesen enorm zugenommen. Sie ist
heute die populärste uuter allen Vervielfältigungsarten
und in betreff der Erzeugung die billigste. Die Ver-
suche der genannten Firma, auch Chromobilder ckuf
diesem Wege herzustellen, haben ihre Zukunft, wenngleich
daran geschickte Künstlerhände Anteil nehmen müffen.
Auch im Lichtdruck waren derartige Versuche (von der !
Vereinigung der Kunstfreunde in Berlin) aus-
gestellt, Welche an Schärfe und Korrektheit nichts zu
wünschen übrig laffen. Äm Schwarzlichtdruck steht
dagegen die Verlagsanstalt für Kunst und
Wissenschaft in München (früher Bruckmann) un-
übertroffen da; die Reproduktionen direkter Naturauf-
nahmen sind von einer Feinheit und Zartheit im Ton,
daß sie kaum von Silberkopien unterschieden werden j
können, und in der Wiedergabe von Zeichnungen, Ge-
mälden rc. bezeugen die publizirten Prachtwerke zur

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Genüge, mit welch hoher künstlerischer Bollendung die
Gelatineplatten der Firma arbeiten.

Jn der Photogravüre liefcrn Boussod, Vala-
don L Comp. (srüher Goupil L Comp.) in Paris, wie
männiglich bekannt, Ausgezeichnetes. Auch in diesew
Verfahren wurden bereits Experimente von Chrorno-
drucken gemacht, welche allen künstlerischen Anforderungen
entsprechen.

Jn München arbeitet Hanfstängl erfolgreich
mit heliographischen Platten; in Wien bewahren in
dieser Technik die Leistungen des k. k. Militär-geo-
graphischenJnstitutes ihren uuangefochtenenRuhmi
in Berlin leistet außer der Photographischen Gesellschast
namentlich B. Schuster in der Photogravüre Vor-
zügliches. Die ausgestellten Blätter imponirten nicht
allein durch die technische Vollendung, sondern auch
durch die Größe. Eine Ansicht dcr Akropolis von
Athen, nach eineni kleinen Negativ auf 55x84 ow
vergrößert, ist eiue geradezu srappirende Leistung.

So zeigen sich auf dem cben berührten Gebiete noch
allenthalben Ansätze zu weiterer Entwickelung und zv
höherer Vervollkommnung, welche in ihren Wcchsel-
wirkungen auf das Kuustleben nur auf gemeinschast-
lichen Ausstellungen studirt und verfolgt werden können-
Es ist daher der Gesellschaft für vervielsältigende Kunst
Dank zu wiffen, wenn sie periodische graphische Aus-
stellungen veranstaltet, die für die beteiligten Kreise
ebenso belehrend wie fllr das Publikum anregend sein
werden. Nur wäre in der Folge bezüglich der Aufstellung
eine strengere Sonderung nach Kategorien und Ländern
dringend zu empfehlen; denn diesmal kostete uns dic
Orientirung nicht geringe Mühe.

Z. Langl.

Nekrologe.

8. L.. I/. Der Landschastsmaler Karl Gustav Adols
Thomas ist zu Dresden am 16. Januar 1887 gestorben. Er
war am 28. September 1834 in Zittau als Sohn eines
Tischlermeisters geboren und gelangte im Jahre 1859 nach
vislfachen Hindernissen in das Atelier Ludwig Richters. Die
Motive ssiner ersten malerischen Versuche entlehnte er der
Drssdener Umgebung, namentlich den waldigsn Felsen-
gründen an den Elbufern, und bereits im Jahre 1860 konnte
er auf dsr akademischen Ausstellung mit zwei Ölgemälden
erscheinen, die auf gewisse romantische Neigungen hindeutein
Jm Jahre 1864 glückte es Thomas für sein „Felsenthal"
ein Reisestipendium zu erhalten, welches er zu einer Studien-
reise in den baperischen Alpen und in Tirol benutzte. Be-
vor er von derselben nach Dresden zuriickkehrts, hielt er sich
längere Zeit in München auf, um hier bei Adolf Lier und
Friedrich Voltz sich weiter auszubilden. Zn München schuf
er u. a. eine Landschasl nach Motiven bei Brannenburg,
welche 1866 in den Besitz der Dresdener Galeris überging^
Offenbar war ihm das reizend gelegene oberbayerische Dörs
chen besonders lieb geworden, denn wiederholt verarbeitete
er in seinen Bildern einzelne Partien der Brannenburger
Umgegend. Dis 1880 entstandene „Kapelle bei Brannenburg
während einer Messe" gehört zu seinen besten Schöpsungem
Noch im Jahre 1883 stellte er eine „Eichengruppe be>
Brannenburg" aus. Die Zahl seiner nach Tiroler MotiveU
entstandenen Bilder ist ziemlich groß; wir heben hervor „Die
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