Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 4./​5.1922/​23

Page: 414
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0.5
1 cm
facsimile
gehörende Altarflügel der Wiener Materschule vom
Ende des 15. Jahrhunderts, die Heiligenmartyrieil in
miniaturartig zeichnerischer Feinheit darstellen und von
denen der *eine aus der Staatsgalerie, der andere aus
Liechtenstein’schem Besitze stammt, während ein
drittes Stück der Folge in der Sammlung des Herrn

( S c h 1 u ß

Nachttischetagere irn Stil des ital. Empire

Eigene Arbeit von Flatow & Priemer, Berlin

Dr. Albert Figdor in Wien aufbewahrt wird. Hier
möchten wir auch einer neuerworbenen durch eigen-
artige Erzählungsart und schöne kräftige Färbung aus-
gezeichneten Tafel mit der Marter der heiligen Katha-
rina aus der nordtirolischen Schule um 1490 Erwäh-
nung tun.
folgt.)

Kleiner Tisch um 18',0 mit ital. Steinmosaiken

Besiizer: Flatow & Priemer, Berlin

Det? Amtmfebe KtnffalUDecketbecbee tn Ppenslau

oon

fvanz LDetmt^

I nsere Brandenburgischen Gläser stehen bei
Kunstfreunden und Sammlern in gutem Ansehen.
Beweis dafür wäre allein schon die schöne und sorg-
fältige Arbeit, die Robert Schmidt ihnen vor nun bald
10 Jahren gewidmet hat. Die zahlreichen vorzüglichen
Abbildungen in seinem Werke müssen auch dem Fer-
nerstehenden bei ihrer Betrachtung Anregung und Ge-
nuß gewähren.

Viele Freude bereitete mir die Bekanntschaft mit
einem schönen, geschliffenen Kristalldeckelbecher, den
das Uckermärkische Museum in Prenzlau aufbewahrt.
Seine volle Höhe, vom Boden bis zur Spitze des Deckel-
knopfes, beträgt rund 23 cm. Robert Schmidt erwähnt
ihn, der ihm unbekannt geblieben sein wird, nicht in
seinem Buche. Das Glas hat eine Geschichte und die
wird uns erzählt in Seckts Geschichte der Stadt Prenz-
lau (II S. 82), wo sie so lautet:

Kurfürst Johann George ertheilte unserer Stadt
i. J. 1583 das merkwürdige Privilegium, daß Niemand

liegende Gründe darin oder auf dem Stadtfelde be-
sitzen solle, der nicht zugleich Bürger wäre und die
bürgerlichen Lasten trüge.

Diesem Privilegio zu Folge geschah es vermuth-
lich, daß Se. Excellenz der Wohlseel. Geh. Staats-
minister von Arnim auf Boitzenburg, wegen seines
ihm allhier zustehenden Hauses im Jahre 1722 förm-
lich das Prenzlausche Bürgerrecht gewann. Bey
dieser Gelegenheit gab der neue Bürger seiner gnä-
digen Obrigkeit, wie er den Magistrat öfters im
Scherz zu nennen pflegte, einen herrlichen Schmaus.
Gegen Ende desselben entfernte er sich von der
Tafel, erschien aber bald wieder in einer ordinären
Bürgerkleidung, mit Gewehr, Degen, Feuereimer und
Sprütze, wie sich jeder Bürger bei Ableistung des
Bürgereides zu Rathause gestellen muß, leistete in
diesem Schmuck dem Rath zutn Zeichen seines
Bürgerlichen Gehorsams den Handschlag — (der
würkliche Eid wird qualificirten Personen billig er-

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