Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 4./​5.1922/​23

Page: 459
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Puppenhaus des Utrechter Museums in einem schönen
Tafelwerk herausgegeben hat, nämlich W. V o g e 1 -
s a n g wurde nun, zurrial er mit seiner deutschen Hei-
mat noch vielfache Verbindungen unterhält, obwohl
er durch seine Wirksamkeit im Rijkmuseum von
Amsterdam, wie an der Universität zu Utrecht längst
Holländer geworden ist, dafür gewonnen, seine reichen
Krfahrungen auf diesem Gebiete zusammenzufassen;
und er hat dies auch gemeinsam mit C. H. J o n g e in
vorzüglicher Weise getan, so daß das schöne, rund
dritthalbhundert Seiten umfassende Werk in vielen Par-
tien geradezu eine Überraschung bildet. Zunächst
werden Innenräume nach holländischen Gemälden, die
vom kulturgeschichtlichen Standpunkt aus besonders
interessant sind, wiedergegeben, dann aus verschiede-
nen sehr charakteristischen alten holländischen Häusern
allerlei Wohn- und Repräsentationsräume holländischer
Großkaufleute, die ihr Heim in vornehmer Weise
auszustatten gewußt haben: Treppenhäuser, Treppen,
Wandbespannungen und Tapeten, Steinfliesen, l'rep-
pentüren, Oberlichtgitter, Kamine, Wandspiegel und
vor allem eine ganze Reihe charakteristischer Möbel,
die gerade zunächst in Holland vielfach aus seltenen
ostindischen Hölzern gemacht, bezw. mit Ebenholz,
Mahagoni oder Palisander fourniert sind. — Wie in
allen Büchern der Bauformen-Bibliothek, die für den

praktischen Gebrauch zugeschnitten sind, werden die
einzelnen Möbelgattungen nach Typen zusammenge-
faßt so daß zunächst alle Schränke und Kommoden in
ihren verschiedenen Abarten, darunter auch der so be-
zeichnende „Orgeltyp“ ausführlich behandelt werden,
dann Betten, Tische, Stühle, namentlich die mit den
übermäßig hohen Lehnen, Schemel, Bänke, Uhrerl, La-
ternen und Kronleuchter, aber auch Ofenschirme und
Barometer, kurz alles was in eiaem vornehmen hol-
ländischen Herrenhaus zu finden ist. Die Beispiele
hierfür sind den großen Museen von Holland, wie den
alten Patrizierhäusern mit glücklicher Hand ent-
nommen; es dürfte nicht uninteressant sein darauf hin-
zuweisen, daß aucli verschieden gute Stücke aus dem
in der letzten Zeit durch den derzeitigen Aufenthalt
unseres früheren Kaisers oft genannten Schloß Ame-
rongen des Grafen von Aldenburg-Bentinck vor-
kommen. Aber auch sonst zerstreute holländische
Möbel sind aufgespürt und verwendet worden. — Den
vorzüglichen Bildern entspricht die nicht minder treff-
liche Abhandlung über die holländische Möbel- und
Raumkunst von Vogelsang, der zur Charakteristik in-
teressante Belege, wie z. B. den Bericht des schwedi-
schen Architekten Tessin vom Jahre 1687 heranzu-
ziehen weiß. Also alles in allein ein besonders erfreu-
liches Buch!

Bruno Goldschinill
Frankfurt a. M.
Gesamtansicht, Radierung

Graphisches Kabinett
H. Trittler
Frankfurt a. M.

JHeue KunffbClcbct?.

Paui Debo, Alte Ringe in 135 Originalaufnahmen. 54 S.
und 16 Tafeln 4“, Pforzheim 1923, Eligius-Verlag.

Der Name des Verfassers und der desVerlags sind Programm.
Die Geschichte der Goldschmiedekunst soll auf Grund technischer
Einsicht und historischer Kenntnisse in kleinen Monographien mit
gewählten Abbildungen von noch unbekannten Objekten behandelt
werden. Diesem ersten Band über Ringe liegt die ausgezeichnete
Sammlung des Pforzheimer Kunstgewerbe-Museums zugrunde, auf
die hier zum ersten Male in gründlicher Weise eingegangen wird.
Vergrößerungen, Innenansichten unter Nachweis von Vergleichs-
stiicken erläutern das Material und es ist sehr zu bedauern, daß
Debo, der sich in seinem reizenden Buch iiber Email als vollendeter

Sprachkünstler gezeigt hat, sich hier auf Vorwort, Einleitung und
Verzeiclmisse beschränkt hat. Dafiir aber hat er seine Kunst
reizvolle Aufnahmen zu machen, spielen lassen und legt detn
Archäologen, dem Kunsthistoriker, dem Sammler und dem Ent-
werfer unbekanntes Material vor.

Marc Rosenberg.

*

Richard Hoffmann, I3ayersche Altarbaukunst. München,
Georg Miiller, 1923.

Hoffmanns Werk erschließt in 275 Bldern eine Fülle von
bisher unveröffentlichten oder in den zahllosen Bänden des
bayerischen Denkmälerwerkes vergrabenem Material. Zwar ist

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