Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

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Unsere Bilder. Dom Herausgeber — Personal- und Ateliernachrichten — Denkmäler rc.

Häusern und dem so urgemütlich hinten herausgrüßenden
Dörfchen! Man denkt unwillkürlich wie hübsch cs da sein
müsse, wenn die weiße Decke erst wieder weggeschmolzen
ist, laue Lüfte im Thal wehen und die Maiglöckchen da
neben dem lustigen Bächlein aufsprießen! Das Bild des
Todes ist eben nur dann nicht erschreckend, wenn man
der Auferstehung sicher ist.

Personal- und Melirrnachrichten

r. ?t. Aus den Münchener Bildhanerateliers.
Professor Rümann bat neuerdings eine vortreffliche Büste des
Prinz-Regenten in Marmor ausgeführt. die ebenso malerisch kom-
poniert als überaus äbnlich und gut durchgebildet erscheint. Sie
soll für den Fürsten Bismarck zum Geschenk bestimmt sein. Noch
gelungener und wabrbast bewunderungswürdig in Bezug auf die
feine Charakteristik wie die verständnisvolle Durchführung war
die Büste des Herzogs Karl Tbeodor in Bayern von Hilde-
brand in Florenz, ein Meisterwerk, das nur in den antiken oder
altflorentinischen Arbeiten dieser Art seinesgleichen findet Man
glaubt, die ganze Seele des Mannes aus diesen Zügen heraus-
leien zu können und seine Lebensgeschichte dazu, vorab die Vor-
nehmheit der Geburt nicht nur, sondern auch die des Charakters
samt dem grübelnden Forschergeist. Bon Hoffart sab man dann
die gut erfundene Figur einer Nereide, welche zur Krönung des
Wasierturms in Mannheim bestimmt ist und von A. Seitz in
Kupfer getrieben werden soll. Bei Ferdinand v. Miller ist
das Modell der für die Walhalla bestimmten Statue des Königs
Ludwig I. nunmehr vollendet und harrt nur noch der Aus-
führung in Marmor. Gibt es den Monarchen in seiner ganzen
Haltung glücklich, frei und ungezwungen wieder, so war freilich
der Widerspruch des modernen Kopfes mit dem antiken Kostüm
wohl überhaupt nicht zu lösen. Auch das Modell des für die
Feldherrnhalle bestimmten Kriegerdenkmals hat der Künstler schon
sehr gefördert und verspricht dasselbe sehr glücklich zu werden.
Aus einem siegreich zurückkehrenden Kämpfer bestehend, der die
bayrische Fahne hochhaltend mit dem andern Arm eine wohl das
beschützte Vaterland darstellende Jungfrau umsaht, während er
den bayrischen Löwen neben sich hat, der sich eben zur Ruhe
legte, versteht man den Sinn der Gruppe augenblicklich. Wird
es daher dem Künstler gelingen, in Krieger und Frau die spezifisch
bayrische Art auch deutlich auszusprechen, so wird das dem Ganzen
erst den vollen Reiz, d. h. jene lokale Färbung geben, welche den
Kunstwerken der Griechen immer und in noch höherem Grade
denen der Renaissance eigen.

O. V. Berlin. Bernhard Mannfeld, der Schöpfer
der bekannten Radierungen von deutschen Städtebildern, hat ein
neues großes Blatt, die Ansicht des alten Kaiserdoms, in Aachen
in Arbeit. Ein Probedruck, welcher bereits sehr bemerkenswerte
künstlerische Reize zeigte, war vor kurzem Hierselbst ausgestellt.

— Düsseldorf. Historienmaler Fr. Klein-Cheva-
lier, ein Schüler Professor Janssens, hat bei dem Wettbewerb
zur Ausschmückung des Rathaussaales in M.-Gladbach unter
sieben eingegangenen Entwürfen den ersten Preis erhalten. Die
von ihm eingereichte Skizze „Einweihung des Niederwalddenkmals
durch Kaiser Wilhelm" wurde damit zur Ausführung angenom-
men. Den zweiten Preis erhielt Th. Roch oll, den dritten
Fritz Neubaur. Klein-Chevalier ist außerdem von dem preußi-
schen Kultusminister ausgefordert worden, Skizzen für die Aus-
malung des Sitzungssaales des Bergamts zu Halle a./S. ein-
zureichen.

— Wien. Zur Feier des fünfundzwanzigjährigen Be-
stehens des österreichischen Museums für Kunst und Industrie
in Wien ist Regierungsrat Bruno Bücher der Orden der
eisernen Krone und den Professoren H. Herdtle und O. Bayer
der Franz Joseph-Orden verliehen worden.

Ir. Berlin. Die Maler Julius Jacob, Lehrer für
Landschaftszeichneu und Aquarellieren an der hiesigen technischen
Hochschule, und E. Henseler, Lehrer am Kunstgewerbemuseum,
haben den Professorentitel erhalten.

p.kt. Von Richard Paul ist gegenwärtig der Karton
für ein riesiges, bei Zeltler hier auszusührendes und für die
Franziskanerkirche in" Siena bestimmtes gemaltes Fenster zu
sehen. Es stellt den heiligen Franz von Assisi dar, wie er vom

Papst die Genehmigung der Ordensregeln in feierlicher Sitzung
in der Peterskirche erhält. — Mit Einsicht und gesundem Stil-
gefühl ausgeführt ist die Komposition gut für die große Ent-
fernung berechnet, in welcher die Figuren vom Beschauer gesehen
werden, wo also Deutlichkeit die erste Bedingung, eine feinere
Individualisierung der Gestalten aber nicht mehr möglich ist.
Jndeß erkennt man doch leicht einzelne Figuren, wie z. B.
Michelangelo, und erfreut sich an der klaren und leicht ver-
ständlichen Anordnung der Gruppen, die beweist, daß der Künstler
die Anforderungen großen historischen Stils wohl begriffen.

tt. Stuttgart. Professor Louis Braun, der Schöpfer
der Panoramen von Weissenburg und Sedan, hat den ehren-
vollen Auftrag erhalten, für Stuttgart ein Rundgemälde aus-
zuführen, welches die für die württembergische Armee so bedeu-
tungsvolle Schlacht von Villiers-Cbampigny darstellt. Pro-
fessor Braun hat bereits mit den Vorarbeiten begonnen, wozu
ihm eine große Zahl von persönlich aufgenommenen Skizzen aus
dem Feldzuge von 1870-1871 zu Gebote stehen. Der Künstler
wird sich demnächst nach Paris begeben, um weitere Studien
vom Schlachtfelde an Ort und Stelle zu machen, dann wird er
nach Stuttgart übersiedeln und hier die Ausführung des Rund-
bildes vornehmen.

— Paris. An Stelle des verstorbenen Malers Cabanel
ist I. I. Henner in die Akademie der schönen Künste zu Paris
gewählt worden.

— Bremen. Bei der Konkurrenz um das Bremer
Kaiser Wilhelm-Denkmal hat, wie wir bereits berichteten, Rob.
Bärwald den einzigen Preis davon getragen. Die von
I. klügerer in München eingereichte Skizze hat jedoch den Beifall
der Preisrichter in so hohem Maße gefunden, daß für dieselbe ein
eigener Ehrenpreis geschaffen und dem Künstler zuerkannt wurde.

— Nürnberg. Hofrat Meyer hat seine Professur au
der Nürnberger Kunstschule niedergelegt und siedelt nach
München über.

tt, Wien. Das akademische Prosesiorenkollegium hat auf
der Jahresausstellung im hiesigen, Künstlerhause dem Maler
Adolf Hirsch! in Wien für sein Ölgemälde „Sankta Cäcilia"
den Reichel-Künstlerpreis einstimmig zuerkannt.

— London. John Millais malt gegenwärtig an einem
Porträt Gladstones, welches die Liberalen von Kanada dem
nationalen liberalen Klub in London zu schenken beabsichtigen,

— München. Der Präsident der Münchener Künstler-
genossenschaft Eugen v. Stieler bat den schwedischen Nord-
sternorden, Schriftführer Albert Baur den Wasaorden er-
halten.

— Duisburg. Für den Rathaussaal zu Duisburg hat
Kommerzienrat Byger ei» Bismarck-Porträt gestiftet, dessen
Ausführung Franz v. Lenbach übernommen hat.

Gestorben. Am 1, April zu Rom Bildhauer Acbille
Bianchi. — Am 7. April zu Dresden Professor H. W. Rau,
Lehrer an der Akademie der Künste und dem Polytechnikum.

Denkmäler ekr.

6. V. Berlin. Das Grabdenkmal Kaiser Wilhelms im
Mausoleum zu Charlottenburg, welches zu Füßen der beiden
berühmlen Marmorsarkophage der Königin Louise und Friedrich
Wilhelms IV. aufgestellt werden soll, wird von dem Bildhauer Prof.
Erdmann Enckeausgeführt. Dasselbe besteht ebenfalls aus einem
Marmorsarkophage, auf welchem indessen nicht wie in den Werken
des Bildhauers Rauch die schlummernde Gestalt des Dahinge-
schiedenen dargestellt ist, sondern ein betender Engel, der die Hände
über der Kaiserkrone zusammensaltet. Der für die Aufstellung
des Denkmals notwendige Erweiterungsbau soll am 18. Oktober
d. I., dem Geburtstage Kaiser Friedrichs, vollendet sein.

tt. Hamburg. Nach der vom Präsidenten der Bürgerschaft,
in deren Sitzung am 20, März gemachten Mitteilung, hat die
gemischte Senats- und Bürgerschaftskommission beschlossen, ein
Modell zu einem Kaiser Wilhelm-Denkmal von Bildhauer Prof.
Sch aper in Berlin Herstellen zu lassen und eine Aufstellung auf
der Reesendammsbrücke zu empfehlen. Die für das Kaiserdenkmal
in Aussicht genommenen Kosten sind auf 350,000 Mk. ver-
anschlagt.

6. V. Berlin. Robert Bärwalds schöne Kaiserstatue
für das Kriegerdenkmal der Stadt Posen ist in einem zweiten
Exemplare in Bronze gegossen, um in der Stadt Lennep bei
Elberfeld aus einem Platze der Stadt aufgestellt zu werden. Die
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