Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 1.1889/​90

Seite: 225
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KUNSTCHRONIK

WOCHENSCHRIFT FÜR KUNST UND KUNSTGEWERBE.

Ankündigungsblatt des Verbandes der deutschen Kunstgewerbevereine,

HERAUSGEBER:

CARL VON LÜTZOW und ARTHUR PABST

WIEN

Heugasse 58.

KÖLN
Kaiser-Wilhelmsring 24.

Verlag von E. A. SEEMANN in LEIPZIG, Gartenstr. 15. Berlin: W. PI. KÜHL, Jägerstr. 73.

Nr. 15. 6. Februar.

Neue Folge. I. Jahrgang.

1889/90.

Die Kunstchronik erscheint als Beiblatt zur „Zeitschrift für bildende Kunst" und zum „Kunstgewerbeblatt" monatlich dreimal, in den
Sommermonaten Juli bis September monatlich einmal. Der Jahrgang kostet 8 Mark und umfasst 33 Nummern. Die Abonnenten der „Zeit-
schrift für bildende Kunst" erhalten die Kunstchronik gratis. — Inserate, ä 30 Pf. für die dreispaltige Petitzeile, nehmen ausser der Ver-
lagshandlung die Annoncenexpeditionen von Haasenstein& Vogler, Rud. Mosse u. s. w. an.

EDUARD BENDEMANNf.

Friedrich von Uechtritz giebt in der Einleitung
zu seinen „Blicken auf das Düsseldorfer Kunst- und
Künstlerleben" eine Charakteristik von der Kunstweise
in der Malerstadt an der Dussel in den dreissiger
Jahren. „Geleckte Sentimentalität" erkannte er
als den damals vorherrschenden Zug der Kunst-
übung in Düsseldorf. Doch gab es auch gesunde
und tüchtige Elemente, zu denen neben C. F. Les-
sing hauptsächlich Eduard Bendemann gehörte.
Recht klar wird uns das Hervorragen der beiden
genannten Künstler über ihre Zeitgenossen bei einem
Studiengange durch das Provinzialmuseum zu Han-
nover oder durch die Berliner Nationalgalerie, die
beide sehr reich an Düsseldorfer Meistern sind. Les-
sing ist vor ungefähr zehn Jahren heimgegangen, bald
folgte Hübner, und vor kurzem ist auch Bendemann
in hohem Alter von seinem Geschick ereilt worden,
nachdem er (1884) seinen Sohn Rudolf hatte hin-
sterben seilen.

Eduard Julius Friedrich Bendemann vertritt ein
kleines Jahrhundert und hat viele Wandlungen deut-
scher Kunst mit angesehen. Den Aufschwung in
den vierziger und fünfziger Jahren half er mit ein-
leiten, und, wenngleich er später nicht mehr tonan-
gebend auftrat, so ist er doch verhältnismässig lange
modern geblieben. Noch im Jahre 1881 sah ich ihn
frisch an der Arbeit bei der Restauration der Wand-
gemälde in der Realschule zu Düsseldorf. Damals
war er nahe an Siebzig.

Bendemann ist zu Berlin am 3. Dezember 1811
geboren. Die Kindheit verfloss ihm in dem mit
Glücksgütem gesegneten Elternnaase zunächst ohne

eigentliche Kunstübung. Erst etwa im 15. Jahre
wurde ihm durch Jul. Hübner ein entscheidender
Anstoss in künstlerischer Richtung gegeben, durch
denselben Hübner, der später manche Anregung von
seinem wenig jüngeren Schüler erhalten sollte. Nach
Abschluss seiner Studien am Gymnasium widmete
sich Bendemann völlig der Malerei. Von grösster
Bedeutung ist dabei jedenfalls seine Lehrzeit bei W.
v. Schadow in Düsseldorf gewesen, welchem Bende-
mann (und Hübner sowie viele andere, z. B. auch
Lessing) dorthin folgte, bald nachdem Schadow die
Leitung der Düsseldorfer Akademie übernommen
hatte. Rasch arbeitete sich der junge Künstler zur
Meisterschaft hinauf, wozu gewiss auch ein Aufenthalt
in Rom (1830) sehr wesentlich beitrug. Bald nach
seiner Rückkehr aus Ralien trat er mit den „Trau-
ernden Juden" auf, die ihm sofort in den weitesten
Kreisen einen Namen machten'). Man sieht das
Bild heute im Kölner Museum (Nr. 966). Noch
klebt hier Bendemann an der glatten sauberen Technik
der Schule Schadows, noch ist die Färbung ohne be-
sondere Kraft, auch finden wir gerade keinen her-
vorragenden Ausdruck in den Köpfen; gegen die
bisherigen Leistungen der Düsseldorfer seit Corne-
lius'Zeiten bedeuteten die „Trauernden Juden" aber
einen grossen Fortschritt. Das Aufsehen, Avelches
das Bild machte, lässt sich begreifen, der Einfluss
verstehen, den es bald auf die zeitgenössischen

1) Es war 1827, als Bendemann nach Düsseldorf ging.
Über die dortigen Zustände zu jener Zeit liest man manches
Beachtenswerte im Nekrolog Schnaase's (Repertorium für
Kunstwissenschaft I, 197ff. und in Fr. Pechts „Deutsche
Künstler" 111, wo Bendemanns eigene Erinnerungen an die
alte Düsseldorfer Zeit mitgeteilt werden (S. 291).
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