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Donath, Adolph [Hrsg.]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 4./​5.1922/​23

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1. Juniheft
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Sorgenfrei, Paul: Der private Kunstbesitz in volkswirtschaftlicher Beziehung
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Aus der Künstlerwelt / Der Etat des Reichskunstwarts / Kunstausstellungen / Schweizerische Kunstchronik / Prager Kunstbrief / Das Kantgrab / Emil Pottners neueste Keramik / Londoner Bilderpreise / Kunstauktionen
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https://doi.org/10.11588/diglit.20303#0492

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billigen Luxusgcgerfstände, der Jahnnarktsschund utid Waren-
hauskram, ist aus den häuslichen Sammelstätten verschwunden,
d. h. sie verschwinden immer mehr, um gediegenen Erzeugnissen
Platz zu machen.

Es mag sein, daß vielfach weniger das Kunstverständnis,
manchmal vielleicht aueh nicht eimnal der gute Geschmack hierbei
dcn Anstoß geben, sondern lediglich die Mode, aber es verfehlt
docli seine Wirkung nicht in bezug auf allmähliche Geschmacks-
läuteruug, auf Anpassung an das wirklich Gute und Scliöne, auf
Durchdringung des Qualitätsgriffs. So wirkt das Sammeln von
Kunstgegenständen erzieherisch. So wird der private Kunstbesitz
zum Erzieher, nicht nur ftir den cinzelnen, sondern ftir die Gesamt-
heit. Diese Auswirkung wird noch viel zu wenig erkannt, gerade
auch an den Stellen, denen eine solche Erkenntnis in erster Linie
zu wtinschen wäre. Es muß dabei immer irn Auge behalten
werden, daß der Sammler nicht nur sammelt, sondern auch sucht
und forscht, auch wenn er nur Liebhaber, nur „Amateur“ ist, und
daß bei dieser Sammel- und Forschungsarbeit in ihm ein Ouali-
tätsgefühl entwickelt wird, das immer weiter wirkt, — bis zum
Erzeuger des Kunstwerks zurtick, auf seine ganze Umgebung. So
greift der Kunstbesitz über die engen Grenzen der Häuslichkeit
hinaus, er wird zum Nationalgut, zum wenigsten in dem Sinne,
daß jedem Kunstwerk eine starke nationale Kraft innewohnt.

Der Oualitätsgedanke wird damit außerordentlich befruchtet
und wirkt befruchtend weiter. Es wird nur noch Qualitätsarbeit
hergestellt. Diesen Gedanken außerordentiich zu fördern ist der
private Kunstbesitz geeignet. Dadurch wird er aber aucli von
hoher volkswirtschaftlicher Bedeutung, die freilich nicht durcii
kurzsichtige gesetzgeberische Mäßnahmen abgeschwächt werden
darf. Was ist denn Luxus? Luxus setzt Genußsucht vor-
aus, wenn man den Begriff „Luxus“ richtig erfassen will. Ist nun
der Genuß, den ein Kunstwerk bereitet, als Suclit anzusprechen?
Das Volk, das solche Definitionen aufstellen wollte, hätte das
Keclit verwirkt, sich-ein Kulturvolk zu nennen!

Der ideelle Gewinn, den der private Kunstbesitz mit sich
bringt, ist mit eiuem äußerst praktischen Gewinn gepaart; Kurist
Lind Volkswirtschaft reichen sicli die Hand, und aus diesem Bunde
erspriel.it ein Kulturelement, dessen weitere Bntwicklung fiir Volk
und Volkswirtschaft, fiir Kunst und Kultur von eminenter, aber
noch nicht von allen Seiten erkannter Wichtigkeit ist.

Darum spielt der Kunstsammler eine so bedeutsame Rolle,
nicht bloß der geschäftliche, dessen Hauptaugenmerk auf das
Geschäft gerichtet ist, wenn auch unter ihnen sich Sammler
finden, die ein höheres Interesse an den Tag legen. Vor allem
aber ist der Privatsammler eine nicht zu unterschätzende Person
im Kunstleben, zumal seit er gelernt hat, das Parveniiartige ab-
zustreifen. Damit ist freilich nicht gesagt, daß es nicht doch noch
solche Parvenüs gäbe. Aber die Zeit hat auch hier läuternd ge-
wirkt. Der Modesammler ist sehr selten geworden, man sammelt
jetzt meist eklektisch. Das ist ein großer Gewinn ftir die Kunst.
Dieser Eklektizismus bringt es mit sich, daß man sicli auch ge-
wisse Kenntnisse angeeignet hat, die ja den eigentlichen Sammler
erst als solchen kennzeichnen. Es ist unverkennbar, daß dadurch
nicht bloß auf die Kunstindustrie und das Kunstgewerbe ein heil-
samer Einfluß ausgeübt wird, sondern auch auf die Künstler selbst.
Aus diesen Beziehungen wiederum ist schließlich auch der Ein-
fluß auf die Volkswirtschaft erklärlich. Denn die Zeiten, wo man
ängstlich vermied, bei der Kunst von „wirtschaftliehen“ Beziehun-
gen zu sprechen, sind vortiber; die Kunst braucht durchaus nicht
profaniert zu werden, auch wenn sie nacli Brote geht!

Paul Sorgenfrei.

Aus dec KCinßlecu^elt.

Adolf Oberländer, das Ehrenmitglied der Akademie
Mtinchen, ist im Alter vori 78 Jaliren gestorben. Mit ihm ver-
licrt die deutsche Kunstwelt einen ilirer stärksten malenden Hurno-
risten, einen Künstler Von Laune und Gemtit. Seine Zeichnungen
aus den Fliegenden Blättern haben fast die gleiche Popuiarität er-

Norhert Fischmann / München

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Es sind ausgestellt Werke von:

Baldung
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Rotenhammer
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Meist. v. Meßkirch
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