Der Sturm: Monatsschrift für Kultur und die Künste — 19.1928-1929

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Auf!
Sprechchor
Herwarth Walden
Für Mila Walden
ARBEITER:
Es jammert die Frau
Es wimmern die Kinder
Hunger schreit auf
Stunden verrinnen
Stunden beginnen
Nur nicht besinnen
Schlag auf Schlag
Stob auf Stofe
Unsere Arbeit erhält das Leben
Unser Leben zerschellt die Arbeit
JUNGARBEITER:
Fordern
Fordern
Statt verzagen sich versagen
Die Arbeit uns
Uns der Gewinn
Seht die dicken plumpen Bäuche
Hände gieren in den Taschen
Münzen euere, unsere Stunden
Und der Bauch bläht mehr sich auf
Drauf
Stofei zu
Er soll uns nicht fressen
Auch wir wollen essen
Wir müssen essen
Wir müssen leben
Wir Lebenden
JUNGARBEITERINNEN:
Jammern die Frauen
Ueber euch jammern wir
Habt die Maschine in Händen
Lafet sie euch über die Hände fahren
Und jammert
Fürchtet euch, dafe die Hand nicht gibt

Die Hand in der Tasche
Die Euch in die Tasche steckt
Männer
schafft ihr uns Kinder, seid auch Männer
Fürchtet euch nicht Vor leeren Taschen
Vor Taschen, die ihr füllt
ARBEITER:
Verblendete Jugend
Arbeit ist wenig
Sein ist die Fabrik
Sein ist die Maschine
Sein ist die Idee
JUNGARBEITER:
Soll er sich gütlich tun mit seiner Idee
Mag seine Frau Maschinen gebären
Und er Fabriken wachsen lassen
Sein, sein, sein
Sein, Sein, unser Sein
Unser Dasein
Nein
Wir sind da
Wenn tausende Hände dasWerk erschaffen
Einer soll den Gewinn erraffen
Den Gewinn des Lebens
Den Gewinn zu leben
Das Leben zu gewinnen
Nein
Wir leben
STIMME:
Feierabend
ARBEITERINNEN:
Was sollen die Pfennige
Wir warten auf Freitag
Wir trösten auf Freitag
Von Freitag zu Freitag
Den Hauswirt
Den Bäcker
Den Schlächter
Die Steuer
Den Krämer

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