Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 57.1941-1942

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München. Die neueröffnete Frühjahrsausstellung der Kame-
radschaft der Münchner Künstler umfaßt in den ersten Sälen
eine Gedächtnisschau für Franz Naager (1870—1942), dessen
barockmalerische, sinnesfrische Schilderungen der venetiani-
schen Kostümwelt und launigen Improvisationen aus dem
Atelier nochmals die unverwüstliche Kraft des Künstlers be-
zeugten. In den anschließenden Sälen wechselten kleinere pla-
stische Arbeiten von Wackerle, Mayer-Fassold, Kirchner-Mol-
denhauer, Fischer-Pongratz, Krieger, Lommel, Dietz, Wil-
ckens, Daumiller, Hageni mit Bildern von erfreulicher Ein-
druckskraft. Neben den bretonischen Strandbildern von Julius
Seyler fielen die tonigen Bilder von W. P. Schmidt, eine Berg-
bahn von Max Rauh, ein Bildnis von Korzeniewski und Land-
schaften von Seidl, Schmidt und Groeschel auf. Es schlössen
sich weitere Reihen von Bildnissen, Landschaften und Slill-
leben an, Blumen von Hienl-Mewe, Schubert, Petraschek, Kum-
mer-Kröll, Schellenberger, Schröder und Moser, Landschaften
von G. J. Buchner, Wolf Bloem, Preetorius, Beue, Korthaus,
Pietzsch, Müller- Wischin, Teutsch, Trumm-Witzel, Akte von
Theis und Liebermann und Figürliches von Julius Schräg,
Richard Klein und Colombo Max. Es folgten in zwei Räumen
Aquarelle und Zeichnungen mit schönen Blättern von Bol-
giano, Georg Buchner, Jutz, Croissant, Böcker, Schawer, Op-
permann, Henseler, Drexel, Nockher, Fäustle, Protzen-Kund-
müller, Hacke, Biermann, Roth, Thies, Kölle, Wimmer und
von Velden, während in dem Oktogon wieder Bildnisse von
Glatzer, Schuh und Flüggen (ein Porträt des verstorbenen
Malers Müller-Ewald) zusammengestellt waren mit Landschaf-
ten von Bauriedl, Büchtger, Werz, Werndl, Walbercr, Rim-
boeck, Kühnel ,Tillberg, Burggasser, Wilke, Spethmann, Metzger
und mit einem Jagdbild von Schwarzenbach. In den letzten
Kabinetten hingen ausgezeichnete Bilder von Lichtenberg aus
dem nächtlichen München, geschmackvolle Stilleben und Land-
schaften von Hülsmann, Büger, Aigner, Lamprecht, Hötzen-
dorff, Slützer, Protzen, Springer, de Moura-Viana, Bildnisse
von Panizza und Becker, ein Kinderbild von A. Burkart und
ein trefflicher Akt von Rawita von Ostrowski. Die Reihe
schließt mit malerischen Delikatessen von Mayrshofer und
C. O. Müller und mit einer Folge von kleinen Chiemseeland-
schaften von Franz Gebhardt-Westerbuchberg, der erstmals
seine tonig hellen, in persönlicher Pinselschrift durchgeführ-
ten Malereien von Landungsstellen und Gartenecken zeigt.
Im Kunstverein zeigen einige Maler ihre Schilderungen
von der Tätigkeit des Reichsarbeitsdienstes im östlichen Kriegs-
gebiet. Mit Bildern und Zeichnungen waren daran beteiligt
Fr. Gebhardt-Westerbuchberg, Bichard Huber-Dachau, Adolf
Jutz, Karl Schuster-Winkelhof, Eduard Steiner und Leo von
Velden. Jutz stellte neben seinen Bildniszeichnungen und
Landschaften von Riga und Reval in einem ganzen Saal seine
Kriegszeichnungen vom Weltkrieg, von den Vogesen 1915, der
Somme 191G, den Waldkarpathen 1917 und von Verdun 1918
aus. Was ihn damals an den Menschen schon gefesselt, hat er
in den neuen Zeichnungen von 1941 noch vertieft. Franz Geb-
hardt- Westerbuchberg malte bei Smolensk Landschaften,
Dörfer und Stadtmotive unter Schilderung des RAD. und er
weiß in seinen größern und kleinen Bildern die sprechende
Darstellung des Figürlichen malerisch wirksam zu verleben-
digen. Karl S c h u s te r - Winkelhof war im Westen und im
Osten tätig und zeichnete und malte Arbeitsdienstmänner bei
ihrer Tätigkeit und Landschaften, wobei er die Weite des
Landes in milden Tönen auffing und in die Bildform zu ban-
nen wußte. Richard Huber-Dachau hat bei Narwa und

Pleskau Kirchen und Klöster und Interieurs der Arbeitsmän-
ner und Reiter und Pferde gemalt und gezeichnet und farbig
treffliche Studien und lichte Skizzen in Schwarzweiß auf-
genommen, die den Ton des Landes erraten lassen. Leo von
Velden hat Freude an Marktszenen, am Treiben der Kinder
auf den Dörfern vor Leningrad, den Volkstypen und an der
Landschaft, und er entfaltet in Skizzen, Aquarellen und Bil-
dern sein farbiges Können. Eduard Steiner wieder gibt eine
stilistische Übertragung des Geschehenen in bildmäßig durch-
geführten, getönten Zeichnungen, wobei er Volkstypen, Bau-
werke, Ruinen und Landschaflen wie aus einem innern Sehen
eindrucksvoll tonig räumlich darstellt. Die Ausstellung läßt
den gemeinsamen Willen der Künstler erkennen, den Tat-
sachenbericht künstlerisch zu bewältigen und die erlebten
Eindrücke in Dokumente des malerischen Könnens einzu-
schmelzen.

Die Städtische Lenbachgalerie feierte drei Künstler
anläßlich ihres siebzigsten Geburtstages durch Sonderaus-
stellungen: Walther Püttner, Richard Pietzsch und Joseph
Andreas Sailer. Püttners frühe Studien an Gärten und
Bäumen verraten eine treffliche Schulung im Zeichnen. Schon
vor der Jahrhundertwende erlangte der Maler einen persön-
lichen Stil. Er wurde zum Erzähler, indem er die Nibelungen
und Biesen in den Bergen und im Wald mit Humor darstellte
und auch in allen Akten, Figuren, Soldatenbildern, Charakter-
köpfen und Masken das Breite der kraftvollen Zeichnung
durch etwas Charakteristisches zu beleben wußte. Ein frühe-
res Bild der Magd Monika ist voller toniger Werte, und dieser
Sinn für das farbige Sein des Vitalen gibt den dekorativ wirk-
samen Landschaften und Figuren Püttners eine besondere
Note. Temperamentvoll faßt er alle Formen auf, um sie im
Bilde stillebenhaft zu einem Ganzen zu verweben. Gerade in
den letzten Jahren hat Püttner seinen eigenartig farbig deko-
rativen Stil noch weiterbilden können. Richard Pietzsch
entfaltet ein reiches graphisches Werk von Zeichnungen und
Aquarellen mit Motiven aus Tölz und München, aus Dresden,
Regensburg, Italien und Schweden, darstellend Strandszenen,
Brandstätten, Biergärlen, Fleischerläden, Tiere aus Hellabrunn.
Landschaften und bäuerliches Leben. Schon das Schwarzweiß
flimmert von Licht, Farbe und Ton, und wo die Farben hinzu-
treten, erlangen die Blätter eine sonore Sättigung von toniger
Luft und malerischem Erlebnis. Die großen Bilder geben Ein-
drücke aus dem Isartal und aus Schweden wieder, aber auch
Architekturen aus Laon und Visby, Brandruinen und Brücken,
und die tektonischen Formen verbinden sich dabei innig mit
der farbigen Fülle des Bildlichen, Bäumlichen und Natursinn-
lichen. Der Himmel ist grauviolett oder tiefblau und läßt den
Vordergrund tonig kräftig hervortreten. Alles sieht der Maler
als Farbe, aber das Farbige ist dezent zurückhaltend behau
delt nach dem Naturton, nach dem atmosphärischen Klang, der
das Bild erfüllt. Für Schnee und kühles Wasser, für das Sich-
regen der Bäume und der Erdschollen im Vorfrühling hat der
Künstler ein starkes Gefühl, und es liegt in der Richtung seiner
Malerei, das Erweckende, Belebende des Naturseins aufzufas-
sen, auch wenn es sich in einen dunklen Grundton hüllt.
Joseph Andreas Sailer ist Tiermaler und erfolgreicher Pla-
katkünstler. In einem kleinen Raum war eine Auswahl seiner
Pferdestudien und Bilder zusammengestellt, teils mit Erin
nerungen aus dem Weltkrieg, teils mit Naturstudien nach
Militär- und Wagenrossen, die mit Kenntnis für den Charak-
ter der Tiere meist aus dem dunklen Grund tonig heraus-
modelliert sind. Christoffel

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