Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 32.1933

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Büchlein gibt, ist ein pikantes Vorgericht, das Appetit auf mehr macht. Es ist lange her,
daß wir bei einem jüngeren Kunstschriftsteller so saubere Formulierungen, so schalkhaft
gesagte, von Entrüstung freie Wahrheiten und eine so intelligente Heiterkeit ohne
Böswilligkeit angetroffen haben. Möchte Simplex das Talent haben, auch mit fünfzig
Jahren noch welches zu haben. K. Sch.

Berliner Auktionen

Die beiden letzten großen Versteigerungen dieses Jahres waren überaus erfolgreich. Die
immer noch reichen Bestände der Sammlung Dr. James Simon, dessen Nachlaß von
R. Lepke ausgeboten wurde, erzielten Summen, die Objekte von gleicher Qualität aber
von weniger illustren Provenienz wohl nicht erreicht hätten. Scheinbare Ausnahmen,
ehemals zu hohen Preisen angekaufte Stücke betreffend, sind dutch die seit Bodes Zeit
nicht unangetastete Wertung zu erklären. Die vorsichtigen Taxen wurden vielfach über-
schritten: Rubens' purpurne Madonnentafel wurde erst mit nooo zugeschlagen, die in
Rosenbergs Werk aufgenommene Wasserfall-Landschaft des Jacob van Ruisdael mit
6400. Unter zahlreichen brillanten Stilleben erzielte das große Blumenstück von Jan Fyt,
mit dem Kontrast der leuchtenden und steinbraunen Töne, 7500, das prangende Jagd-
Stilleben von Frans Snyders 3200. Die steif anmutige Gesellschaftsszene des J. B. Weenix
wurde mit 3100 bewertet, die von van der Weide staffierte Hügellandschaft des Jan
Wynants mit 2150. Ein Berliner Kunsthändler ersteigerte Dous kleines Porträt der Mutter
Rembrandts um 2600. Joos van Cleves transparente Darstellung des Christuskindes, das
segnend auf einer geflügelten Kristallwelt steht, stieg rasch auf 6000. Auch die guten
französischen Bilder brachten ansehnliche Preise: 3650 das malerisch ausgezeichnete
Künstlerbildnis des Duplessis, 1500 eine witzige Nebenarbeit von Chardin, 1050 das
lebendige Herrenporträt in der Art des Nanteuil. Die Miniaturensammlung wurde restlos
aufgenommen, wobei zwei dem Bronzino zugeschriebene Kinderbildnisse 1700 brachten,
das Brustbild eines Edelmanns in der Art des jüngeren Holbein 630, das hübsche flämische
Brustbild einer jungen Dame 425. Neben älteren Plastiken behaupteten sich Dubuts delikate
Wachsreliefs mit dem König und dem Dauphin von Frankreich mit 490, während die
italienischen Bronzen recht gut bezahlt wurden: mit 1300 die bewegte Plastik des
Florentiner Barockputtos, mit 1350 der wahrscheinlich von AI. Vittoria stammende ver-
träumte Knabe, mit 600 die flämisch klassizistische schlafende Nymphe. Die schwäbisch-
bayrische polychromierte Madonna erzielte 1050.

Ein vielfältiges und interessantes Material enthielt die von Ball und Graupe veranstaltete
Auktion, die neunzig Gemälde aus einer fürstlichen Sammlung mit Gemälden und Kunst-
gewerbe aus verschiedenem Besitz zusammenfaßte. Auch hier war eine überraschende
Kauflust festzustellen, die nur wenige Stücke ausließ. Für die Gemälde wurden etwa
Vorkriegspreise erzielt, wobei das höchste Gebot, 7900 für ein Venezianerbildnis des
großen Tintoretto, relativ hinter anderen zurückstand, da zum Beispiel eine gute Land-
schaft mit Segelschiffen von Jan van Goyen 3000 brachte, sein „holländisches Wirtshaus"
2750. Die klare „holländische Straßenansicht" des Jan van der Heyden wurde mit 1350
zugeschlagen, mit 2100 eine weitgestteckte Lagerszene des Pieter Wouwermann (die,
wie zahlreiche andere Bestände, aus russischem Staatsbesitz kam), mit 2900 ein kleines
wolkiges Seestück des Salomon van Ruisdael. Zu den besten Stücken des angebotenen
Silbers gehörte ein Paar weißsilberne breitrandige Schüsseln, Paris um 1770, die für 1250
abgegeben wurden, ein Paar ovale Platten gleicher Herkunft 1750, ein Paar vergoldete
Rocailletabletts 630. Zwölf Figuren aus dem berühmten Meißener Atl'enkonzert um 1755
ergaben den ansehnlichen Preis von 3000, das Kändlermodell des auf einem Haumsockel
sitzenden Liebespaars 630. Der großen Louis XV-Tapisserie einer spielenden Rokoko-
gesellschaft wurden 2600 zuerkannt, dem schönen Ausschnitt einer gewirkten Aubussondecke
auf rosa Fond 3550.

Die Versteigerung von „Kostbarkeiten aus einer fürstlichen (russischen) Schatzkammer"
durch Ball und Graupe rief weder Emigrantenkrawalle noch Affektpreise hervor. Ein
typisches Sultansgeschenk, ein reich geschmücktes Opernglas aus Gold brachte 5500.
Künstlerischen Wert hatten die besonders von französischen Sammlern begehrten acht-
zehn Dosen, deren beste Stücke bis auf 1875 und 1350 stiegen. E.

Zw eiunddreißigiter Jahrgang, erstes Heft. Redaktionsschluß am 21. Dez., Ausgabe am 10. Januar 19)).
Für die Redaktion verantwortlich: Karl Schettler, Berlin. Verlag Bruno Cassirer.
Gedruckt in der Offizin von Fr. Richter G.m.b.H., Leipzig.
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