Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 32.1933

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Egon Kornmann, Wege zum Bildverständnis. Gänge in der alten Pinakothek in
München. Verlag F. Bruckmann A.-G., München, 1933.

Kornmann gibt nicht einen Führer, der die Bildwerke kunsthistorisch, das heißt als
Dokumente einer Epoche, eines Stils, als Ausdruck einer Künstlerpersönlichkeit erläutert,
wie das sonst derartige Führer versuchen. Er läßt vielmehr alle in der Formgestaltung
mitgegebenen „Inhalte" religiöser, allgemein-menschlicher, zeitsvmptomatischer Art und
Bedeutung unberücksichtigt, um durch Gegenüberstellungen von Bildern graduell unter-
schiedlicher Formqualität, höchster und niederer, das Auge zum Erlebnis des eigentlich
Künstlerischen zu führen. Nicht die Methode der vergleichenden Betrachtung ist neu,
sondern die Unbedingtheit, mit der Kornmann sein Ziel verfolgt: das Auge für den
Eigenwert, die besondere Sprache der gestalteten Form empfänglich zu machen. Diese
Unbedingtheit bringt das stark Lehrhafte dieses Führers mit sich, woran jedoch niemand
Anstoß nehmen wird, der sich guten Willens Kornmanns Führung anvertraut: denn sie wird
sein geistiges Auge dauernd wacher, aktiver machen. Die Leitung der Pinakothek
kann sich über diese wertvolle Ergänzung zu ihrem offiziellen Katalog freuen — und
dürfte ihrer Freude auch dadurch Ausdruck geben, daß sie Kornmanns Führer am Ein-
gang für die Besucher auflegt, wie das andernorts mit entsprechenden Schriften üblich ist.

Hans Eckstein

Das Buch im Schaufenster

Das Aprilheft, in dem einige Schaufenstereinbauten für Buchläden von Fritz von Valtier
abgebildet und von einigen redaktionellen Anmerkungen begleitet waren, gibt Herbert
Grundmann aus Halle a. S., der, wie Fritz von Valtier, ein Buchfachmann ist, Anlaß zu
kritischen, teils zustimmenden, teils ablehnenden Bemerkungen. Er fügt die Photographie
eines von ihm aufgebauten Sonderfensters bei. Wir bilden auch diesen interessanten
Versuch ab, weil er im Vergleich mit den im Aprilheft abgebildeten Proben besonders
aufschlußreich wirkt, sowohl was die einheitliche Plakatwirkung des ganzen Fensters als
auch was die psychologische Art der Werbung betrifft.

Rolf von Hoerschelmann

Den Illustrator Hoerschelmann haben wir in diesen Blättern schon vor längerer Zeit
gewürdigt; heute bilden wir zwei Landschaftsaquarelle aus Italien ab, die auf den
Naturmaler hinweisen. Es sind Beispiele einer empfindungsvollen und liebenswürdigen
Kunst. Eine altdeutsche Note ist in diesen Aquarellen, eine Nuance, die an süddeutsches
Naturemptinden aus der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts denken läßt, etwas leicht
Novellistisches, das auf den Illustrator verweist, und eine freie Behandlung der Farbe,
die eine moderne Errungenschaft ist. Ein Kleinmeister, vor dessen Blättern man das viel
mißbrauchte Wort deutsch aussprechen darf. Daß die Motive in diesem Fall italienisch
sind, widerspricht diesem Eindruck nicht — im Gegenteil. Hoerschelmann gehört zu den
naiven Malertemperamenten, die echt wirken, weil sie ohne Geltungsbedürfnis und
ohne Programm sind. K. Sch.

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