Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 32.1933

Seite: 62
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und die Ostasiatische Kunstabteilung einiges hergeliehen haben; forscht man den Be-
sitzverhältnissen aber genauer nach, so zeigt es sich, daß das meiste - nicht nur aus
Deutschland, Italien und Frankreich, sondern auch aus Ägypten, Persien, Byzanz, Spa-
nien, China und der Türkei - den sonst verschlossenen Stoffsammlungen des Schloß-
museums gehört. Nicht die Abteilungen haben sich also zusammeugetan, um einen
(Querschnitt durch die Geschichte der Webekunst zu zeigen, sondern das Schloßmuseum
hat seine Magazinschränke geöffnet, um dem Betrachter zu zeigen, was alles dieser in
der frühchristlichen, islamischen oder ostasiatischen Abteilung missen muß. Weswegen
dann die Frage wieder laut wird, warum dieser schöne, jetzt fast tote Besitz nicht sinn-
gemäß aufgeteilt wird. Dieses ist kein Vorwurf für den ausgezeichneten Direktor des
Schloßmuseums; denn dieser hat eben erst mit dem Islamischen Museum in liberalster
Weise die türkischen Fayencen seiner Sammlung geteilt. Iis ist nur die Feststellung einer
schon vor vielen Jahren falsch getroffenen Besitzverteilung. Nur zweierlei sollte zur Dis-
kussion stehen: entweder ein eigenes Stoffmuseum, das alles Künstlerische aus allen Zeiten
und Ländern enthalten und, in Stichproben wenigstens, öffentlich zeigen müßte, oder
eine Verteilung an die bestehenden Kunstabteilungen der Berliner Museen.
Uns scheint der zweite Weg der beste; denn Fachsammlungen werden leicht langweilig.
Den Beweis liefert das Münzkabinett im Kaiser-Friedrich-Museiim. In diese Schausamm-
lung verirrt sich fast nie ein Besucher; oder er tlieht nach einem flüchtigen Rundgang.
Die künstlerisch zum Teil sehr kostbaren Münzen würden aber sicher genau betrachtet
werden, wenn, zum Beispiel, die griechischen ins Antiquarium, die modernen deutschen
und französischen in die Nationalgalerie gebracht würden. Ja: wenn!

Elfried Bock f

von MAX J. FRIEDLÄNDER

Am 4. Januar ist Elfried Bock, der Direktor des Berliner Kupferstichkabinetts, im S7-
Lebensjahre gestorben. Sich bemerkbar zu machen, lag nicht in seiner Natur. Um so
dringlicher die Verpflichtung, seine Leistung ans Licht zu ziehen und seine lautere Per-
sönlichkeit zu rühmen. Er war kein Freund von weit reichenden Kombinationen oder
geistreichen Vermutungen, hielt sich vielmehr treu an das einzelne Kunstwerk, das er
liebte, deutete und dem er seinen Platz anwies, hat aber über das Ganze, namentlich der
deutschen Produktion, einen klareren Uberblick gewonnen als mancher geistesgeschicht-
lich orientierte Fachgenosse.

Er war leidend und setzte seine Kraft mit bewußter Selbstbeschränkung für den inneren
Dienst ein, für die Vermehrung, Pflege und wissenschaftliche Durcharbeitung des Kupfer-
stichkabinetts, wo er lange Zeit der erste Kustos und schließlich der Direktor war. Sein
Lebenswerk liegt zum guten Teile verborgen in Katalogbäuden. Er hat die Graphik
Menzels verzeichnet, hat in größerem Umfang als irgendjemand dazu beigetragen, den ge-
waltigen Bestand der Zeichnungen im Berliner Kupferstichkabinette zu bewältigen, schließ-
lich die Sammlung der Bibliothek in Erlangen katalogisiert.

Unsre Museen haben einen Mitarbeiter verloren, in dem sich die Charaktereigenschaften
des Beamten und des Gelehrten zu vollkommener Harmonie vereinigt hatten, das Kupfer-
stichkabinett betrauert den Verlust eines Leiters, in dem die auf Friedrich Lippmann
zurückreichende große Tradition noch lebendig wirkte.

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