Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 32.1933

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II. Die Aufstellung der Sammlung
von KARL SCHEFFLER

Die Eröffnung der Islamischen Kunstabteilung im Südflügel des neuen
Museumsbaues ist wieder ein Schritt zur endlichen Erfüllung des vor
fünfundzwanzig Jahren summarisch entworfenen Programms. Es bleibt
noch die Abteilung älterer vorderasiatischer Kunst zu vollenden, und es
bleibt der Bau einer Brücke über den Kupfergraben, damit das Treppauf
und Treppab durch viele Kunstregionen unnötig werde, das den Besucher
körperlich und geistig ermüdet, ehe er die Islamische Abteilung, entweder
vom Kaiser-Friedrich-Museum oder vom Alten Museum her, erreicht.
Die neuen Räume sind viel günstiger als die alten es waren. Sie sind hell,
sowohl die mit direktem Südostlicht, wie auch die mit Oberlicht. Diese frei-
lich hätten sehr wohl ebenfalls Seitenlicht bekommen können, wenn der
Architekt dort, an der Hofseite, nicht einer akademischen Fassadenwirkung
wegen auf Fenster verzichtet hätte. Zwischen beide Raumreihen schiebt
sich die überhöhte Babylonische Prozessionsstraße. Ursprünglich war in der
Mitte ein Oberlichtsaal für alle Teppiche vorgesehen; er ist der szenischen
Wirkung der Prozessionsstraße geopfert worden. In dem großen Quer-
saal mit Oberlicht, in dem die Mschattafassade aurgebaut ist, tritt die am
Kupfergraben liegende stattliche Fensterfront ebensowenig in Erscheinung
wie im Nordflügel, im Deutschen Museum; sie dient hier wie dort Ver-
waltungsräumen. Architektonisch sind es unbefriedigende Lösungen.
Wohltätig wird empfunden, daß im Islamischen Museum auf Effekte,
wie sie eine Treppe tiefer gehäuft sind, verzichtet worden ist. Die
einzige theatralische Wirkung zeigt der Blick durch ein Fenster des
Raumes 7, in die sehr hohe und tiefe Prozessionsstraße. Architektonisch
verfehlt ist auch die Gestaltung des Eingangs zum Mschattasaal: die
Pfeiler behindern den Blick auf die ornamentübersponnene Fassade und
verstellen, von den Oberlichtsälen aus gesehen, die einzig vorhandene
Achsenwirkung. Im großen Saal selbst kommt die Mschattafassade nicht
übel zur Geltung, wenn das Unbehagen, ein Wüstenschloß in einem oberen
Stockwerk aufgebaut zu sehen, wenn das notwendig Kompromißliche der
Türlösung zwischen den beiden Vorbauten (der Platz reichte nicht aus)
erst einmal überwunden ist.

Die Räume sind gleichmäßig weiß und hellgelb gestrichen. Die Sammlung
selbst bietet sich sachlich, anschaulich und ohne alle Mätzchen dar. Was
gewollt worden ist, ist auch gekonnt. Nichtsdestoweniger erscheint die
Sammlung — die ihrer Natur nach etwas Zartes hat - in den verhältnis-
mäßig großen Räumen ein wenig aufgebläht. Die Islamische Kunst ist


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