Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 32.1933

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MAX KAUS, DORFSTRASSE IN MECKLENBURG

AUSSTELLUNG „LEBENDIGE DEUTSCHE KUNST Hl"
VERANSTALTET VON I'AUL CASSIRER UND ALFRED FLECHTHEIM

„Lebendige deutsche Kunst"

Dritte Ausstellung, veranstaltet von Paul Cassirer und Alfred Flechtheim

Eine Einheitlichkeit, wie sie jede Sammlung guter liilder auch ohne Zutun hat — es ist
die Einheitlichkeit, die ebenfalls in der Natur gefunden wird — fehlt in der Hilder-
abteilung dieser Ausstellung. Was gemeinsam ist, muß negativ gewertet werden: die
allgemeine Verwendung kalter Farben und eines aufdringlichen Weiß was ein Symptom
für Traditionslosigkeit und Intellektualismus ist. Gemeinsam ist daneben eine weitabge-
wandte Melancholie, die hamletartig genannt werden könnte, wenn sie künstlerisch
ganz realisiert wäre. Was das »Lebendige" dieser deutschen Kunst der letzten Gene-
ration betritft, so wäre es besser zum Ausdruck gekommen, wenn nur ein Drittel der
Bildermenge gezeigt worden wäre. I ber Vollständigkeit oder L'nvollständigkeit zu streiten,
hat keinen Sinn; daß aber L'bertlüssiges vorhanden ist, läßt Zweifel nicht zu.
In der Bilderabteilung fesselt am meisten die feine romantische Ironie Theo Champions,
die zarte, von einem vergeistigten Geschmack beratene Lyrik Charles Crodels (die einen
Redonzug hat), die die Massen gut zusammenhaltende künstlerische Sachlichkeit Adolt
Dietrichs, die in Andeutungen sich ergehenden Träumereien in Grau Werner Gilles',
Otto Herbigs feuilletonistische Malbegabung, die in dieser Umgebung wohltätig auf-
fallende Objektivierungsfähigkeit und Kultur Max Kaus' und die eigenwillige Arabesken-

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