Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 32.1933

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wichtig hielt. Die Beispiele dafür sind sehr zahlreich. Von diesem Garten Daubignys,
der eines seiner letzten Werke war, und von dem er, wie aus den zitierten Stellen
seiner beiden Briefe (an Mutter und Bruder) hervorgeht, ganz erfüllt war, hatte er am
23. Juli sicher noch keine Replik gemacht, sonst hätte er sie in seinem letzten Brief
an Theo (651), worin er so ausführlich über dieses ihm besonders liebe Bild schrieb,
zweifellos erwähnt. Denn im P. S. dieses Briefes gibt er eine eingehende Beschreibung
des Bildes (s. Scherjon S. 140). Aus demselben Brief geht hervor, daß die Periode des
Interesses für dieses Bild hinter ihm lag, denn er sagt, daß er als letzte Arbeiten eine
Skizze von zwei alten Hütten und zwei Skizzen von unendlichen Kornfeldern beifüge.
Scherjon lenkt in seinem Nachwort die Aufmerksamkeit darauf, daß dieses Thema ihn
in seinen letzten Lebenstagen ganz mit Beschlag belegt habe. Wir wissen, daß van Gogh
am 27. Juli Selbstmord beging. Es bleiben also vier Tage von seinem Leben übrig,
worin er theoretisch eine Replik des Gartens von Daubigny hätte machen können. Erstens
aber geht aus dem zuletzt abgesandten Brief (23. Juli) hervor, daß sein Geist damals
ganz mit anderen Themen beschäftigt war; und zweitens kann man im Vorwort von Frau
van Gogh-Bongers Ausgabe der Briefe lesen, daß Theo ihr am 25. Juli berichtete, er
hätte wieder einen wirren Brief von Vincent empfangen und dieser wäre wieder nicht
in Ordnung. Schon am 24. also muß der verhängnisvolle Krankheitsanfall eingesetzt
haben, der für ihn der letzte war und am 27. mit dem Selbstmord endete. Mit diesen
Tatsachen vor Augen kann man schwerlich annehmen, daß der arme Künstler in den
letzten drei Tagen seines Lebens noch Zeit und Lust gefunden hat, eine Wiederholung
des fraglichen Bildes zu machen.

Man sieht, daß auch diese Prüfung ungünstig für das Berliner Bild ausfällt.
Interessant ist es auch, der Herkunft des Berliner Bildes nachzugehen. Im Katalog
de la Failles findet man, daß das Berliner Museum das Bild von einem gewissen G. Fayet
erwarb, der es 1903 in Paris von Schuffenecker kaufte, der es seinerseits bei Druot in
einer »Vente Coli. X.« gekauft hatte. Meier-Graefe hat nun vor Gericht unter Eid er-
klärt, gesehen zu haben, daß der Maler Schuffenecker viele Bilder van Goghs kopiert
hat, und daß ihm auch bekannt sei, daß diese Bilder später als echte van Goghs ver-
kauft worden sind." —

Vergleicht man unbefangen die Wiedergaben der beiden auch hier reproduzierten
Bilder, so erscheint das Basler Bild unbedingt als das lebendigere. Eine entschei-
dende Kritik läßt sich vor Reproduktionen freilich nicht treffen. Da die Frage in jeder
Hinsicht wichtig ist, muß dringend gefordert werden, den Versuch zu machen, das
Schweizer Bild nach Berlin zu bringen, damit beide Fassungen unmittelbar verglichen
werden können. Das Kronprinzenpalais selbst ist an einer solchen entscheidenden Gegen-
überstellung am meisten interessiert. K. Sch.

Die italienischen Bilder im Kronprinzenpalais

Ludwig Justi hat gegen ein Bild von Michetti, daß sich im Depot der Nationalgalerie
befand, dreizehn Bilder junger Italiener eingetauscht. Gegen diese Transaktion ist grund-
sätzlich nichts einzuwenden, denn Michettis Bild geben wir ohne Bedauern hin. Die neuen
Bilder sind jetzt im Erdgeschoß dauernd aufgestellt. I^s ist darum zu prüfen, ob sie für
die deutsche Galerie der Gegenwartskunst ein Gewinn sind.

Funis „Publius Horatius" ist ein großes Format. Ein historisches Sujet in historisierender
Form. Renaissancemalerei, durch modernen Manierismus geleitet. Ein feierliches Bild;

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