Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 32.1933

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mäßig zähes Festhalten an Modegrüßen mit sich, das durch Dörnhöffers konservative, in
klassizistischen Idealen befangene Grundhaltung und durch seine betonte Pflege eines
im besonderen süddeutschen Kunstgeistes vielfach begünstigt werden mochte. Unein-
geschränkte Anerkennung aber verdient die Vervollständigung der Leibi-Sammlung,
die würdige Unterbringung der Werke Marees' und der Bilder der franzosischen Im-
pressionisten und van Goghs aus der Tschudispende. Ein nicht minder großes Verdienst
hat sich Dörnhöffer durch die Umgestaltung der Neuen Pinakothek erworben: es ist ihm
gelungen, diese Sammlung durch eine von rein lokalen Gesichtspunkten (wie sie seit
Ludwigs I. Zeiten maßgebend waren und heute von der Münchner Städtischen Galerie
vertreten werden) unabhängigen, objektivere Ankaufstätigkeit und Auslese den Zeitbe-
dürfnissen entsprechend grundlegend zu erneuern. In vorbildlicher Weise endlich hat
Dörnhöffer die Schätze der Alten Pinakothek betreut und durch Leihgaben aus Privat-
besitz. Uberführung bedeutenderer Werke aus kleineren Landesgalerien, in bescheidenerem
Maße auch durch Neuerwerbungen ergänzt. Die Sammlung ist vorzüglich gehängt und
die einzelnen Objekte sind in bestem Zustande. Ein besonderes Ereignis war die Aus-
stellung des Isenheimer Altars vom Oktober 1918 bis zum September 1919 in der Alten
Pinakothek.

Was man seit Lichtwarcks Zeiten im besten Sinne als Aktualisierung des Kunstmuseums
bezeichnet, ist Dörnhöffer nicht im gleichen Maße nachzurühmen wie seinem großen
unternehmungslustigeren Vorgänger Tschudi. Temporäre Ausstellungen, die nach dem
Kriege in fast allen bedeutenderen deutschen Kunstmuseen zur Regel wurden, blieben
in München eine seltene Ausnahme und Dörnhöffer hatte hier nicht durchweg eine
glückliche Hand: die große repräsentative Feuerbach-Ausstellung stand fremd in unsrer
Gegenwart (was letzten Endes seinen Grund in dem künstlerischen (^ualitätsgrad der
Feuerbachschen Kunst hat) und die Ausstellung der Sammlung Thyssen war nicht mit Un-
recht so heiß umstritten. Dem neuen Leiter verbleibt in beziig auf die stärkere Akti-
vierung der Münchner Staatsgalerien jedenfalls eine dankbare Aufgabe, zu der man ihm
die tatkräftige Förderung der neuen bavrischen Regierung wünschen möchte. Dar! man
von ihm erwarten, daß er für seinen Teil das Mögliche tun wird für die endliche Ver-
wirklichung einer großen Ausstellung deutscher Kunst, deren Zustandekommen bisher
bekanntlich an den Münchner Instanzen gescheitert ist>

Zweiunddreißigstcr Jahrgang, fünftes Heft. Redaktionsschluß am II.April, Ausgabe am jo.Maiiou
Kür die Redaktion verantwortlich: Karl Scheftler, Berlin. Verlag Bruno Cassirer.
Gedruckt in der Offizin von Fr. Richter G.m.b.H., Leipzig.

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