Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 1.1889/​90

Seite: 185
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Todesfälle. — Ausgrabungen und Funde. — Personalnachrichten. — Sammlungen und Ausstellungen.

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Die nach den Zeichnungen Baron Hasenauers
ausgeführte Dekoration der hohen, auf Pfeilern und
Säulen gewölbten Säle ist reich und kostbar, wie
dies dem unschätzbaren Werte der darin aufge-
stellten Sammlung entspricht. Namentlich die
Kappen der Gewölbedecken tragen zierliche, in leuch-
tenden Farben prangende Ornamente, untermischt
mit Wappen und Emblemen, welche zu dem Cha-
rakter der verschiedenen Teile der Sammlung und
zu der Geschichte des habsburgischen Herrscher-
hauses in Beziehung stehen.

Der vielversprechende Anfang wäre somit auch
für das kunsthistorische Hofmuseum nun gemacht!
Möge sich der Plan der leitenden Behörde, deren
Energie wir diese neue Bereicherung der Sehens-
würdigkeiten Wiens in erster Linie verdanken, auch
in seinen weiteren Entwickelungsstadien ebenso
schnell und glücklich vollziehen! Dann dürfen wir
hoffen, dass das nächste Jahr nicht dahingehen
werde, ohne uns die ganze Reihe der Prachträume
des kunsthistorischen Museums mit ihrer kaum zu
ahnenden Fülle von Schätzen bildender und gewerb-
licher Kunst zu erschliessen. L.

TODESFÄLLE.

G. F. Okiseppe Brentano f. Ein herber Schlag hat die
ganze Kunstwelt und speziell die Stadt Mailand betroffen
durch den jähen Tod des hoffnungsvollen, erst siebenund-
zwanzigj ährigen Architekten Giuseppe Brentano, der am
31. Dezember einer vierzehntägigen Lungenkrankheit erlag.
Bekanntlich hatte er bei der internationalen Konkurrenz für
die neue Mailänder Domfassade im Herbst 1S88 den ersten
Preis davongetragen und war eben damit beschäftigt, das
Holzmodell der Vorderansicht unter semer Leitung in Aus-
führung bringen zu lassen. Bedenkt man, mit welch warmem
künstlerischen Eifer er die Sache zustande zu bringen be-
strebt war und wie sehr man sich berechtigt fühlen musste,
von ihm eine harmonische und tiefempfundene Lösung der
schwierigen Aufgabe zu erwarten, so kann man sich leicht
vorstellen, welch einen traurigen Eindruck die Todesbotschaft
in den weitesten Kreisen verursacht hat. Wir haben uns
mehrmals mit dem Konkurs für die Mailänder Domfassade
beschäftigt (vgl. Kunstchronik vom 9. Juni 1886 und vom
27. Dezember 1888 und Zeitschrift für bildende Kunst,
Band XXIV, S. 96) und durch eine Abbildung des preisge-
krönten Projekts den Begriff des Ganzen, wie Brentano es an-
gegeben, zu veranschaulichen gesucht: wir hofften, demnächst
in einer noch bestimmteren Gestalt das höchst erfreuliche
Werk betrachten und beurteilen zu dürfen, was um so interes-
santer gewesen wäre, als der Baumeister das Vorhaben hegte,
einige Modifikationen darin einzuführen, die seinem Werke
vorteilhaft geworden wären, da es sich bekanntlich darum
handelte, die giebelfönnige Bekrönung des Mittelschiffes,
sowie die Öffnung des Hauptportales etwas zu erhöhen. —
Leider gab es längere Zeit hindurch Schwierigkeiten, um
die künstlerischen Kräfte zur Ausführung dieses zweiten
Teiles des Projektes zu gewinnen, was dem Verstorbenen in
seiner jugendlichen Schaffungslust keine geringe Mühe ver-

ursachte. — Die Anfertigung des Modells wurde demnach
bedeutend verspätet, so dass es dem Architekten kaum noch
gelang, den ersten Anfang davon zu sehen. — Da er, wie
es scheint, selbst noch nicht so weit gekommen war, seinen
Veränderungen einen fertigen Ausdruck zu geben, so hat
nun die Dombauverwaltung in der unmittelbar nach dem
erlittenen Verlust gehaltenen Versammlung den Entschluss
gefasst, die Ausführung des Modells vorderhand nach keiner
andern Norm anfertigen zu lassen als der, die aus der
graphischen Ansicht hervorgeht, wie sie in der Wahl der
Jury angenommen worden ist.

* Rudolf von Waldheim, der Gründer und Besitzer der
bekannten artistischen Anstalt in Wien, ist am 2. Januar
iu Abbazia, wohin er sich zur Kur begeben hatte, im Alter
von 58 Jahren gestorben.

*% Der belgische Genre- und Historienmaler Joseph
Coomans, welcher, angeregt durch die pompejanischen Wand-
malereien, zumeist Genrebilder aus dem antiken Leben ge-
malt hat, ist am 3. Januar zu Boulogne an der Seine im
74. Lebensjahre gestorben.

**t Der Dekorationsmaler des Hoftheaters, Angelo
Quaglio, ist am 5. Januar zu München im 61. Lebensjahre
gestorben.

„% Der ungariselie Landschaflsmaler Anton Ligeti,
ein Schüler von Karl Marko, ist am 5. Januar in Budapest
im 67. Lebensjahre gestorben.

* Gustav Petsehaeher, ein ausgezeichneter, seit längeren
Jahren in Pest ansässiger und an den dortigen Neubauten
rühmlichst beteiligter Architekt aus der Wiener Schule, spe-
ziell Schüler F. Schmidts, starb am 7. Januar in Pest an
einer zu der Influenza hinzugetretenen Lungenentzündung im
Alter von 43 Jahren.

AUSGRABUNGEN UND FUNDE.

* Ausgrabungen in Babglonien. Die Amerikaner, welche
eine Expedition nach Mesopotamien entsendet haben, um
dort Ausgrabungen anzustellen, haben allen Grund, sich zu
den Erfolgen ihrer archäologischen Kampagne zu beglück-
wünschen. Sie haben in Niffer, dem alten Nipur, einem
Mittelpunkte der altchaldäischen Kultur, den Spaten einge-
setzt und den Baaltempel dort blossgelegt. Vorhandene
Ziegelinschriften sollen bis um 3750 v. Chr. Geburt zurück-
führen. Man stiess ferner auf die grosse Tempelbibliothek
in Ur, mit zahlreichen religiösen und geschichtlichen Thon-
inschriften.

PERSONALNACHRICHTEN.

*% Der Professor der Archäologie an der Universität
Kiil, Dr. Richard Förster, welcher sich auch durch For-
schungen auf dem Gebiete der neueren Kunstgeschichte be-
kannt gemacht hat, hat einen Ruf an die Universität Breslau
angenommen.

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN.

Aus München wird geschrieben: Das Einerlei der
Ausstellungen des Kunstvereins ward unterbrochen durch die
impressionistischen Naturstudien von Hanna Band; der Ge-
mahlin des bekannten Panoramamalers Braun, brillante
Leistungen voll poetischer Naturauffassung. — Frit% von
Uhde malt an einem neuen Gemälde religiösen Inhalts, be-
titelt: „Der Gang nach Bethlehem". — Franz von Lenbach,
der die Weihnachtsfeiertage in Friedrichsruhe zubrachte, hat
die Reihe seiner zeitgenössischen Bildnisse um ein neues
Bismarck-Porträt bereichert. — Im Atelier von Gabriel Max
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