Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 30.1914-1915

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von den Generalen der Republikund Napoleons I.
gehaust wurde, dafür haben wir Belege genug
in den Tagebüchern Mannlichs, der wieder-
holt die Zweibrückener und Mannheimer Ge-
mäldesammlung mit List und Mut zu retten
wußte, aber doch nicht verhindern konnte,
daß z. B. der General Le Courbe aus dem Besitz-
stand der Münchner Sammlung für seine priva-
ten Zwecke wertvolle Gemälde auswählte, wäh-
rend »Bürger" Neveu, der sich mit dem schönen
Titel eines „Kommissärs der französischen Re-
gierung für Wissenschaft und Künste in Deutsch-
land" umgab, ähnlich wie in diesen Tagen die
Russen, die im Ossolinskischen Nationalmu-
seum in Lemberg stahlen und plünderten, in
München und Schleißheim 72 Gemälde als
„Beute" mitgehen ließ. Unwillkürlich denkt
man angesichts einer solchen kommissarischen
Tätigkeit des Franzosen an jene, die im Auftrag
des Deutschen Reiches gegenwärtig in Belgien
der Direktor des Berliner Kunstgewerbe-
museums Geheimrat Falke vollzieht. Seine
Besichtigungsrundreise durch die belgischen
Kirchen und Museen trug durchaus nicht den
Charakter eines Beutezuges, sondern sie diente
ausschließlich dem Schutz und der Erhaltung
der belgischen Kunstschätze. Denn wie das
belgische Staatswesen überhaupt unter deutscher
Verwaltung steht, so im besonderen auch der
Kunstbesitz Belgiens. Ihn vor Verschleuderung
und Verschleppung zu bewahren, das ist die
Aufgabe des deutschen Kommissars. Denn
selbstverständlich sind gerade jetzt Gemeinde-,
Kirchen- und Klösterverwaltungen besonders
geneigt, ihre Kunstschätze zu veräußern in der
falschen Angst, sie möchten sonst von den
Deutschen geraubt werden. Und so hätte jetzt
der Weizen der Zwischenhändler geblüht, die
mit dem Bargeld zu klimpern vermocht und
auf Rechnung amerikanischer Millionäre um
billiges Geld flämische Primitive exportiert
hätten. Diesen Spekulanten hat der Reichs-
kommissar durch sein Dazwischentreten das
Handwerk gelegt. Den Städten aber bleibt
ihr Eigentum erhalten. Denn wie im Jahre
1871 das Deutsche Reich das Louvre unbe-
rührt ließ, so werden auch in diesem Kriege
die Galerien in den eroberten Gebieten intakt
bleiben. Soferne freilich eroberte Städte oder
Provinzen dem Deutschen Reich nach einem
siegreichen Kriege einverleibt werden sollten,
müßten natürlich auch ihre Kunstschätze in
deutschen Besitz übergehen. Alles Übrige
indessen wird seinen früheren Besitzern unver-
sehrt zurückgegeben werden. Für die strenge
Durchführung dieser Maßregel bürgt die Be-
sonnenheit der deutschen Reichsregierung und
bürgt die Vorsorge, die man bisher getroffen.

Im Ausland sieht man das auch ganz gut ein,
und in Italien haben einige besonnene Gelehrte,
geistige Führer ihrer Nation, sich auch öffent-
lich zu uns bekannt. Andere aber ersinnen
unverschämte Märchen und erzählen einem
kritiklosen Publikum, daß ein geheimer Zu-
sammenhang bestehe zwischen dem „mißglück-
ten Beutezug" in belgische Galerien und der
Beschieß ung der Kathedrale von Reims, als
deren treibende Kraft — Bode,der „enttäuschte"
Generaldirektor der preußischen Kunstsamm-
lungen, bezeichnet wird, eben jener Bode, der
seinen eigenen unüberlegten Landsmann zu-
rechtweist mit den prachtvollen Worten: „Meine
Uberzeugung ist, daß allen Kulturländern die
Erzeugnisse ihrer Kunst und ihr rechtmäßiger
Kunstbesitz erhalten werden soll und daß wir
den Denkmälerschutz wie im eigenen Lande,
so auch im Feindesland auszuüben haben."

GEFALLEN AUF DEM FELDE DER EHRE

Friedrich Pfannschmidt. Am 7. September
fiel bei Pierre-Morrains bei Chalons als Führer
einer Kompagnie der Berliner Bildhauer Fried-
rich pfannschmidt, Präsident des Künstlerver-
bandes deutscher Bildhauer. Geboren 1864 als
Sohn des bekannten Berliner Geschichtsmalers
C. G. Pfannschmidt, war er Schüler der Berliner
Akademie und von Johannes Schilling in Dresden.
Sein Bestes hat er in Denkmals- und Kirchen-
plastiken gegeben; Hamburg besitzt von ihm einen
Kaiser Heinrich I., Leipzig ein Denkmal von
J. Moser (im Reichsgericht), Zerbst einen Moltke,
Eisenach ein Kriegerdenkmal, Tann i. Rhön einen
von der Tann; plastische Werke seiner Hand be-
finden sich u. a. an der Kaiser Wilhelm-Gedächtnis-
kirche, der Gnadenkirche, dem Dom und der Luther-
kirche in Berlin. Auch als Schöpfer einer Anzahl
Bildnisbüsten (Harnack, Emil Frommel, Kaiser
Wilhelm, v. d. Goltz) hat er sich einen verdienten
Namen gemacht.

Max Lossnitzer, Direktorialassistent am Kgl.
Kupferstichkabinett zu Dresden, auf dem westlichen
Kriegsschauplatz. 1887 zu Riesa geboren als Sohn
des jetzigen Vorstandes der Kunstsammlungen der
Veste Coburg, Major Loßnitzer, und a-uf süddeut-
schen Universitäten als Kunsthistoriker vorgebildet,
hatte sich Max Loßnitzer durch sein grundlegendes
Werk über Veit Stoß und durch seine Entdeckungen
betreffend den Bildschnitzer Hans Leinberger, dem
er eine große Reihe mit H L bezeichneter Kupfer-
stiche und Holzschnitte zuweisen konnte, einen ange-
sehenen Namen als Kunsthistoriker gemacht. Auch
über moderne Kunst hatte er in Zeitschriften und
Tageszeitungen mancherlei geschrieben; gegen Ex-
pressionisten, Kubisten und Konsorten kämpfte er
mit edlem Zorn.

hans Lesker, Maler in Stuttgart, am 23. Sep-
tember in einem Gefecht in den Argonnen, im
35. Lebensjahr; ein vielversprechender Münchener
Künstler, dessen in den Münchener Secessionsaus-
stellungen des öfteren gezeigten Gemälde sich durch
starkes künstlerisches Temperament und reifes ma-
lerisches Können auszeichneten und der seit einem

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