Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 30.1914-1915

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BENNO ELKAN -RUHENDE." GRABMAL IN DORTMUND. BRONZE UND KALKSTEIN

BENNO ELKAN

Von Ernst Blass

Wenn der Künstler nicht zugleich Hand- Hand ist zwar wesentlich für die Schöpfung

werker ist, so ist er nichts, aber das von Kunstwerken, doch es ist nur die unent-

Unglück! unsre meisten Künstler sind nur Hand- behrliche Vorarbeit im Rohstoff, aus der erst

werker!" Dieser Goethesche Satz leite uns die unerklärliche Schöpferkraft das eigentliche

in das Werk des Bildhauers Benno Elkan. Kunstgebilde entstehen läßt. Allerdings ist

Denn er ist heute wieder wahr, wenn wir dem dieses Manuelle und Optische eine Zeitlang

Wort „Handwerk" den weitesten Sinn geben, bei uns gegenüber dem stofflichen Inhalt unter-

den es als Gegensatz von „Kunst" annehmen schätzt worden. Aber als man sich darauf

kann, und unter ihm nicht allein die manuelle, besonnen hatte, daß Kunst nicht identisch ist

rein technische Geschicklichkeit verstehen, son- mit Spiegelung des Lebens in seinen Gedan-

dern darüber hinaus alle menschlichen Fähig- ken und Augenblicken, daß Aehnlichkeit und

keiten des Schauens, des Aufnehmens und Wahrscheinlichkeit in der „Kunst" ja nur das

Verarbeitens. Seien wir uns darüber klar: Massenhafte des Lebens vermehren helfen,

alles das ist „Handwerk", gemessen an dem, hatten wir als Rückschlag und neuen Anfang

was den eigentlichen Kern des Künstlerischen den Kult des „persönlichen" Sehens, die

bedeutet, dem Willen zur Schöpfung, dem Hochschätzung des Eindruckshaften, das Lob

Verlangen, ein neues, fertiges, in sich be- des Artifiziellen und des technischen Aus-

schlossenes Bild in die Welt und in die Zeiten drucks. Auf die Zeit der Spiegelung folgte

zu senden. Alle Tätigkeit des Auges und der die Zeit eigenen Schauens, an die Stelle des

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