Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 30.1914-1915

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JOHANN SPERL STUBE IN KUTTERLING

Kgl. Nationalgalerie, Berlin

KARL STERRER

Kein Mensch wundert sich darüber, daß' sönlich, individuell bedeutend ist. Karl Sterrer
. auf einem Erdenfleck die nach Gestalt, ist eine solche Persönlichkeit.
Farbe, Duft und Eigenschaft verschiedenartig- Karl Sterrer ist Wiener, aber als Künstler
sten Pflanzen wachsen; aber die meisten Men- durchaus unwienerisch. Einer von den extrem
sehen staunen darüber, daß sich aus der Ge- neuerungs- und streitsüchtigen jungen Malern
meinschaft einer Siedlungsstätte zur gleichen in Wien sagte mir allerdings einmal, als die
Zeit, untergleichen Verhältnissen, die im Wesen Rede auf Karl Sterrer kam: „Das Atelier
und Ausdruck verschiedensten Künstler ent- dieses Malers muß wie die berüchtigte „gute
wickeln; denn die meisten Menschen glauben Stube" aussehen. Auf den „schwellenden"
an die Milieu-Theorie in ihrer Anwendung auf Polstern des geblümten Sofas mollig „hinge-
die Künstler, während doch diese Theorie just kuschelt"sitztimSchlafrockdastraute„deutsche
in unserer Zeit nur eine sehr relative Bedeu- Gemüt" und trinkt Kaffee und träumt im war-
tunghat. Wird derOrt der Herkunfteines Künst- men Lampenschein allerlei gemütliche Träume
lers genannt, verbindet sich im Gedanken der von bausbäckigen Engerln, Krippen und ähn-
meisten Leute damit sofort die Vorstellung liehen Antiquitäten mehr, erzählt dann dem
einer mehr oder minder stark ausgeprägten aufmerksam lauschenden Sinnierer, der es be-
Zugehörigkeit zu einer bestimmten „Richtung", herbergt, seine Geschichten, und der geht hin
Paris, München, Berlin, Wien, diese Städte- und malt sie." Der aufgeregte Kunstrevoluzzer,
namen lösen gewisse Vorstellungen aus, die der stets nach dem „unerhört Neuen" schrie,
oft genug bei einer bestimmten Persönlichkeit übertrieb natürlich, aber wie in jeder Ueber-
nicht zutreffen, eben weil sie eigenartig, per- treibung, so steckt auch in dieser ein Körn-

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