Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 30.1914-1915

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A. VON KAMPF STUDIE ZU DEM GEMÄLDE „FICHTE ALS

REDNER AN DIE DEUTSCHE NATION*

ARTHUR VON KAMPFS WANDGEMÄLDE „FICHTE ALS REDNER AN
DIE DEUTSCHE NATION" IN DER AULA DER BERLINER UNIVERSITÄT

Von E. Plietzsch

Als man vor einigen Wochen den Karton zu Maler droht in gleicher Weise wie den Schrift-
L Arthur Kampfs Fichtebild sah, da neigte stellern die Gefahr, manieriert zu werden und
man dazu, diese Schöpfung mit den Leistungen konstruierte, blutleere akademische Schöpfun-
eines guten Schriftstellers zu vergleichen, der gen zustande zu bringen,
eine große Begebenheit in klaren, wohlge- Alle Bedenken und Befürchtungen dieser
formten Sätzen beschreibt, deren rhetorische Art erweisen sich vor dem ausgeführten Ge-
Wirkungsmittel klassischen Prosastücken ent- mälde Arthur Kampfs als hinfällig. Man ge-
lehnt sind. Derartige meisterhaften Prosa- wahrt, daß sich der Künstler in die für solche
Schilderungen nachgebildete Beschreibungen Anlässe gebotene Formenwelt wirklich hinein-
sind frei von eigenwilligen Ausdrücken und gelebt hat, daß ihm die große Einzelform aus
ohne überraschende Satzwendungen, so daß der Anschauung des Modells erwuchs und daß
die schöne Folge der gewählten Worte in sie nicht von alten Vorbildern entlehnt zu
ruhigem Rhythmus dahinfließt. Einem Maler werden brauchte. Seine Studien nach den
freilich, der in ähnlichem Sinne klassisch ge- Modellen sind in der Zeichnung und Färbung
wordene Formen verwertet, aber nicht aus in- so realistisch, daß ihre direkte Hinübernahme
nerem Zwang heraus und nicht dank eines in das Bild eine Anhäufung allzu detaillierter
angeborenen Gefühls für große Formen nach Objekte und Farbtöne ergeben hätte. Auf
monumentaler Haltung strebt, einem solchen dem Weg von der Studie zum Gemälde strafften

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