Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 30.1914-1915

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MODERNE KRIEGSMEDAILLEN

Von Max Bernhart

iur wenige Monate sind ver- zumeist auf maschinellem Wege reduzierten
strichen, seitdem auf den Prägemedaille des Auslandes weit überlegen
Blättern dieser Zeitschrift ist, ist sie sowohl nach Inhalt wie Zeichnung
von dem Echo des Krieges klarer als jene häufig unverständlichen, in der
in der rührigen deutschen Zeichnung langweiligen und uninteressanten
Medaillenkunst berichtet französischen und belgischen Allegorien,
wurde, da stellt sich be- Unsere Medaille ist von den unerfreulichen
reits wiederum eine an- Strömungen, die die deutsche Kunst der letz-
sehnliche Reihe von Wer- ten Jahre schädigten, im allgemeinen verschont
ken dieses Kunstgebietes ein, die den Ernst geblieben. Einige Künstler, die dieser neuen
und die Wucht der großen Zeitgeschichte Kunst huldigten und sie auf die Medaille über-
widerspiegeln, tragen wollten, sind niemals zu Worte gekom-
Die hier in Auswahl gegebenen neuen Me- men und ernst genommen worden. Wir lassen
daillenarbeiten zeigen wieder aufs klarste, daß uns gerne jede Eigenart gefallen, wir bewun-
unsere Medaillenkunst heute das erreicht hat, dem sie sogar, wenn sie in künstlerischer
was man ihr vor wenigen Jahren noch — wohl Form inhaltlich Vernünftiges, der Darstellung
mit einigem Recht — gänzlich abgesprochen Wertes und in der Zeichnung Natürliches zum
hat, daß sie nämlich selbständig und unbe- Gegenstand der Verbildlichung macht,
einflußt dasteht. Sie hat sich zu solcher Höhe Diese Originalität im besten Sinne des Wortes
emporgearbeitet, daß wir jetzt endgültig auf ist es, was uns beispielsweise an den Medaillen
jede ausländische Ware, auf die süßlichen, des Münchener Bildhauers Ludwig Gies be-
kraftlosen, für die Dauer jedem gesunden sonders interessiert und reizvoll erscheint (Abb.
Geschmack widerstrebenden französischen Ar- S. 348, 351). Gies hat schon eine Reihe vorzüg-
beiten und auf ihre Ausläufer, wie sie uns licher Kriegsmedaillen gearbeitet, sie sind uns
in den immer noch viel zu hoch eingeschätzten aus den Abbildungen des Dezemberheftes dieser
belgischen Medaillen entgegentreten, Verzicht Zeitschrift noch in bester Erinnerung. Die not-
leisten können. Wenn wir die hier in Ab- wendige Dreiheit: Schönheitssinn, technisches
bildungen gebrachten Arbeiten jenen französi- Können und eine eigenartige Einbildungskraft
sehen Medaillen gegenüberstellen, so können zum Ausdruck des Bildes ist dem Künstler
wir getrost sagen, daß wir uns in dem letzten eigen. Einem unsichtbaren Druck gehorchend,
Dezennium, in dem die deutsche Medaille erst bequemen sich seine Bilder dem zur Verfü-
wieder erwacht ist und einigermaßen gepflegt gung stehenden Medaillenfeld an. Die Haupt-
wurde,eine originelle Medaille geschaffen haben, stärke seiner Kunst ist die Schönheit des
Abgesehen von der technischen Verschieden- rhythmischen Zusammenhanges, Einfachheit
heit, durch die die deutsche Gu/fmedaille der und Klarheit in der Komposition. Was ich an

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