Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 57.1941-1942

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Philipp Franck. Am Jonischen Meer in Taormina. Aquarell

Philipp Franck. Von Bruno Kroll

Meine Begegnung mit dem Alterswerk von Ph. Franck
gehört zu den beglückenden künstlerischen Erlebnis-
sen der letzten Jahre. Das Prädikat „Alterswerk"
wird man diesem Einundachtzigj ährigen wohl nicht
vorenthalten können, trotz der jugendlichen Kraft
und freudigen sinnlichen Begabung, von der ein
jedes seiner heutigen Werke kündet. Die Anfänge
liegen also wTeit zurück. Sie liegen noch bei Eduard
v. Steinle, bei dem Nazarener, der in den siebziger
Jahren des vergangenen Jahrhunderts wie eine Art
Gott über allen Wassern und allen Geistern des kunst-
freudigen Frankfurt a. M. schwebte. Unter seiner
Leitung kopierte man an der Kunstschule des „Sta-
del", riesenhaft vergrößert, die winzigen Holzschnitte
des „Theuerdank", kolorierte sie mit Wasserfarben
und hoffte auf diese seltsame Art den Sinn für die ide-
ale Monumentalmalerei lebendig zu erhalten. Allein
die Jugend ging doch ihre eigenen Wege. So führte
die persönliche Veranlagung auch den jungen Franck
zu A. Burger nach Cronberg in den Taunus. Burger
galt neben A.Göbel, Ad.Schreyer, neben Scholderer,
V. Müller und P. Burnitz zu jenen Malern, die eine
neue Landschaftskunst, die sogenannte paysage in-

time, heraufführten, eine Landschaftsmalerei der
schlichten Wirklichkeitsverklärung von unmittel-
barer malerischer Frische und Breite. Ph. Franck er-
lebt nun noch die Ausklänge dieser großen Cron-
berger Schule, der Hans Thoma und Willi. Trübner
noch einmal einen späten Glanz verleihen.
Ab 1881 bildet sich Franck in Düsseldorf weiter. Er
arbeitet nun neben dem „Wunderkind" der Aka-
demie, neben Art. Kampf, den der Führer vor eini-
ger Zeit mit dem Adlerschild auszeichnete, weiter
neben Hans Flerrmann und Hugo Vogel. Düsseldorfs
Akademie besaß damals noch Weltruhm. Die künst-
lerische Atmosphäre war der der Cronberger Schule
verwandt. Ed. v. Gebhardt gab der Akademie einen
mächtigen Auftrieb, auch die Achenbachs. Doch Geb-
hardt, „unglaublich geschickt im Erklären", suchte
den Schülern mehr die Kunst als das Handwerk zu
lehren. Aber bei Eugen Dücker lernte man die Natur
in ihrer Frische und Unmittelbarkeit sehen und fest-
halten, das Flimmern und Leuchten, das Lebendige
der Atmosphäre. Es war das Freilicht, das den Bil-
dern dieses Malers die tiefe Wahrheit gab. Das
Malen aus dem farbigen Erlebnis und der farbigen

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