Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 15.1917

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UNST AUSSTELLUNGEN

BERLIN

In der Königlichen Akademie der
Künste hat die Zentralstelle für Aus-
landsdienst eine Ausstellung von
Architekturphotographien unter dem Namen „Deutsches
Bauwesen im Kriege" veranstaltet. Es werden grössere
Staats-, Kommunal- und Privatbauten gezeigt, die kurz
vor dem Kriege begonnen oder geplant und wahrend
des Krieges ausgeführt worden sind. Es soll durch die
Ausstellung auf die wirtschaftliche Kraft Deutschlands
hingewiesen werden, die es ermöglicht hat, so viele
umfangreiche Bauwerke selbst unter den denkbar
schwierigsten äusseren Verhältnissen zu vollenden.
Die Ausstellung soll als Wanderausstellung auch ins
neutrale Ausland gehen und dort zu unseren Gunsten
werben. Die Absicht ist insofern erreicht als der Be-
sucher einen starken Eindruck von der Arbeitsleistung
der letzten drei Jahre gewinnt. Über das Künstlerische
bei dieser Gelegenheit grundsätzlich zu sprechen wäre
nicht am Platz Die Formen weisen auf die Zeit vor
dem Krieg zurück; ob sich formal ein Wandel anbahnt,
kann in dieser Ausstellung nicht studiert werden.

Man könnte sich freilich die Veranstaltung noch
wirkungsvoller denken. Sie wäre es, wenn jene Bauten
gezeigt würden, die während des Krieges und infolge
des Krieges entstanden sind, die riesigen Fabrikanlagen,
Luftschiff hallen, Kasernen, die Arbeiten in Ostpreussen
und so weiter, kurz, jene Bauten, die im Auftrage des
Staates in einem bewunderungswürdigen Tempo er-
richtet worden sind und deren Baukosten viele Millionen
betragen. Es wäre lehrreich gewesen, zu erfahren, wie
in diesen Fällen die Form geraten ist, und wie umfang-
reich die Arbeitsleistung ist. Aber es sind wohl Gründe
der nationalen Wohlfahrt, die eine Veröffentlichung zur
Zeit verbieten. Schade, dass wir den wahrscheinlich
monumentalen Anblick dieser Arbeitsleistung entbehren
müssen, und dass wir den Neutralen nicht vor allem
diese Kriegsarbeit zeigen können!

Es müssen ein paar Worte über Oskar Zwintscher
gesagt werden, dem im Künstlerbaus eine Gedächtnis-
ausstellung bereitet war, weil dieser Maler eine Ge-
meinde hinter sich hat und so mehr Einfluss ausübt,
als er darf. Nur Prediger pflegen eine Gemeinde um
sich zu versammeln ; und Zwintscher ist auch etwas wie
ein malender Prediger. Er sieht aus — die ausgestellte
Büste zeigte es —, wie sich der Deutsche immer noch
den Idealisten gerne vorstellt: langes Haar, milde
Christusaugen, „Denkerstirn". Als Maler erweist er
sich als ein schwächlicher Nachkomme der Deutsch-
Römer; aber das klassich Italienische ist bei ihm stark
ins Deutsch-Provinzielle, ins Sächsische geraten. Er hat

eigensinnige Überzeugungen gehabt, und diese haben
aus ihm einen Stilisten ohne Einschränkung gemacht.
Sicher hat er seinen „Stil" wie einen sittlichen Vorzug
empfunden. Er gehört zu jenen Künstlern, die für be-
sonders phantasievoll gelten, und die nichts doch in
so geringem Maasse haben wie Phantasie. Er malt alt-
deutsch genau durchführte Bildnisse, giebt seinen Mäd-
chen „grosse, träumerische Augen", bringt novellistische
Motive und Symbole in seine Landschaften, „vergeistigt"
seine Modelle, denkt sich „Stimmungen" aus und tritt
anspruchsvoll im Format auf; aber es bleibt eigentlich
alles Dekorationsmalerei, es bleibt malermeistermässig
kunstgewerblich. Man könnte dem jung Gestorbenen
gegenüber von seinen Schwächen schweigen, wenn mit
dem Hinweis auf das „deutsche Gemüt", das „deutsche
Herz", das in dieser Kunst sein soll, nicht immer wie-
der gegen die gute Malerei operiert würde. Man ver-
lässt die Ausstellung mit dem Stossseufzer: wollten die
Deutschen doch endlich einsehen, wann ein Idealismus
klug und wann er dumm ist, wo er echt ist und wo nur
eine wohlfeile Selbsttäuschung, hinter der sich Denk-
faulheit, Sentimentalität und Mangel an Gestaltungskraft
verbergen!

Einen ausgezeichneten Eindruck machte der grosse
Ausstellungssaal bei Paul Cassirer, in dem viele Bilder
des vor kurzem gestorbenen Waldemar Rösler zu sehen
waren. Der Gesamteindruck ist bei Kollektivaus-
stellungen immer wichtig. Hier war er so stark, dass
die einzelnen Bilder nachher nur zum Teil hielten, was
das Ganze versprach. Man hatte einen Eindruck von
ungemeiner Frische und Klarheit, von freudiger Kraft
und Lebensjubel mit einem melancholischen Unter-
ton. Eben wegen seiner bejahenden Eigenschaften ist
Rösler vom Kriege wohl so grausam zerbrochen worden.
„Er sank, weil er zu stolz und kräftig blühte!" mag
man, einen Penthesilea-Vers von Kleist variierend,
sagen. Etwas Blühendes ist wirklich in der Malerei
Röslers; jede ehrlich beobachtete Wahrheit der Natur
ist formal und koloristisch hinaufgetrieben, bis sie me-
lodisch zu tönen beginnt, alles Naturalistische lebt im
farbigen Schimmer des Kosmischen und überall in den
Bildern weitet sich der Raum mit einem schönen,
phrasenlosen Pathos. Die Arbeiten sind ungleich, aber
jeder Strich atmet doch Talent und nichts kann an-
regender sein als der Anblick dieses lebendigen Ringens
mit der Natur unmittelbar auf der Leinwand. Es liegt
nicht Anlass vor, die bei vielen Gelegenheiten hier
schon gewürdigte Eigenart Röslers nochmals zu zer-
gliedern; es möge genügen auf die schönsten Bilder
der Ausstellung hinzuweisen. Nr. 22. „Ein Landweg
zwischen Akaziengebüsch im Mai." Nr. 16. „Ein Feld
mit vereinzeltem Gebüsch." Nr. 6. „Der Maitag", ein

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