Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 15.1917

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CHRONIK

HANS OTTO SCHALLER f

Aus Stuttgart kommt die Nachricht, dass der
junge Kunstgelehrte Dr. H. O. Schaller im Westen
gefallen ist. Die Leser von „Kunst und Künstler"
wissen, welch ein reger und temperamentvoller Mit-
arbeiter er dieser Zeitschrift seit einigen Jahren gewesen
ist. Er war etwas wie ein Wächter des schwäbischen
Kunstlebens. Kampffroh und passioniert für das Echte.
Er griff immer an, wo es etwas anzugreifen galt, aber
er war stets auch begeistert, wo etwas Starkes und
Eigenes auftauchte. Seine Liebe galt nicht nur der
neueren Kunst, sondern der Kunst überhaupt. So war
z. B. die altschwäbische Kunst sein besonderes Studien-
gebiet. Er hat uns über altschwäbische Monumental-
kunst in den letzten Wochen noch einen schönen Auf-
satz geschrieben, den wir den Lesern in einem der
nächsten Hefte darbieten werden. Am Tage vor seiner
Verwundung und seinem Tode sandte er mit fröhlichem
Gruss die Korrektur. Wir betrauern den Tod dieses
lieben Mitarbeiters sehr und bewahren seiner schönen
geistigen Lebendigkeit, die stets die Sache meinte, ein
gutes Gedenken. Mit uns aber haben die schwäbischen
Lande viel Ursache, um Hans Otto Schaller zu trauern.

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BOTHO GRAEF f

Auch Botho Graef, der Kunstgelehrte ausJena, der
sechzigjährig in Königstein i. Taunus gestorben ist, war
uns ein gelegentlicher Mitarbeiter. Er war Archäologe
und Nachfolger Noacks in Jena. Sein Gebiet war vor
allem griechische Kunstgeschichte. Als Lehrer war er
sehr beliebt; sein Hörsaal war stets überfüllt. Das mag
seinen Grund in dem lebendigen Interesse dieses Ge-
lehrten auch für neuere Kunst gehabt haben. Er hat mit
der Kunst unsererTage wirklich gelebt, hat Anteil daran
genommen und ist publizistisch dafür eingetreten. An
dieserStelle, z. B. für van der Velde. Das hat seiner
Persönlichkeit das Besondere gegeben.

«

Notiz.

Unsere Mitteilung im y. Heft der Zeitschrift über
den Studienkopf von Rembrandt, den Bredius und
Kronig im letzten Herbst in Zürich als Werk des
Meisters bestimmt haben, enthielt einige Unrichtig-
keiten, die wir hiermit verbessern. Der frühere Be-
sitzer ist nicht ein Herr vom Berg, sondern ein Herr
Escher vom Berg. Gottfried Keller hat das Bild nie ge-
hört, und der Ort, wo es entdeckt wurde, ist nicht das
Künstlergütli, sondern das neue Züricher Kunsthaus,

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