Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 15.1917

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LOUIS EYSEN, BECHERSTILLEBEN

KUNST UND UMSATZSTEMPEL

II

von FELIX SZKOLNY

In Heft IV sind die Grundzüge des Gesetzes über die
Warenumsatzsteuer, soweit sie für die Leser dieser
Zeitschrift Interesse haben, dargestellt worden. Bei
der praktischen Anwendung des Gesetzes hat sich be-
reits soviel Unklarheit, ja Ratlosigkeit gezeigt, dass es
notwendig erscheint, auf verschiedene Einzelfragen
einzugehen. Dazu kommt noch ein anderer Grund.
Wiederholt ist bereits in der Presse die Nachricht auf-
getaucht, dass eine Erhöhung der Steuer geplant sei.
Da bei dem ungeheuren, ständig wachsenden Geldbedarf
des Reiches in der That damit gerechnet werden muss,
so ist es geboten, dass diejenigen Kreise der Kunst, die
wegen der massigen Sätze der Steuer noch eine gewisse '
Gleichgültigkeit an den Tag legen, über die Vvirkungen
und Konsequenzen des Gesetzes ein klares Bild ge-
winnen.

Vor allem ist zu beachten, dass schon das geltende
Gesetz bestrebt ist, den Umsatz so umfassend wie mög-
lich, der Besteuerung zu unterwerfen, wobei es nicht
davor zurückschreckt, Vorgänge, die wirtschaftlich eine
Einheit bilden, in selbständige steuerpflichtige Akte zu
zerlegen. Ich wähle ein Beispiel, das ähnlich wohl fast
täglich im Kunsthandel vorkommt: ein Sammler über-
giebt einem Kunsthändler ein Bild von Liebermann mit
dem Auftrag, es als Kommissionär für ihn zu verkaufen.
Ein anderer Sammler kauft und erhält das Bild für
20000 Mk., zahlt 15000 Mk. bar und giebt für den
Rest Bilder aus seinem Besitze. So einfach der Fall an
sich liegt, so kompliziert gestaltet er sich unter dem
Gesichtspunkte der Besteuerung. Man gebe ihn im
Kreise von Personen, die nicht Sachverständige sind,
als Rätsel auf, die Zahl der richtigen Lösungen wird

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