Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 15.1917

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HUKTIONSNACHRICHTEN

AMSTERDAM

Bei Fr. Müller wurden vom
28. November bis 1. Dezember
neben vielem Kunstgewerbe auch
eine Anzahl von Gemälden versteigert, von denen wir
hier die Hauptpreise notieren:

Adriaen von Ostade, „Musikalische Unterhaltung":
8100 Gulden. — „Bauernstube mit musizierenden
Bauern", von 1634: 4100 Gulden. — „In der Dorf-
wirtschaft": 6000 Gulden. —

Jacob von Ruisdael, „Stürmische See mit Wolken-
schatten" (48Y2 X 6V/2) ■ 6400 Gulden. —

Salomon Ruisdael, „Halt vor dem Wirtshaus", 1 65:9
(61 X 81): 19000 Gulden. —

Bega, „Interieur mit Tordurchblick": 22250 G. —
Brekelenkam, „Knabe mit Hund" (Kopie nach Terborch):
1000 Gulden. — Aert van der Neer, „Winterlandschaft
mit Schlittschuhläufern": 2900 Gulden. - Netscher,
Damenbildnis: 1675; Gulden. —

Jan Steen, „Der Pfingstochse": 3750 Gulden. —
Chardin, „Stilleben": 1275 Gulden. —

Jan Fyt, „Stilleben": 4900 Gulden. — Adriaen van
Utrecht, „Stilleben": 5250 Gulden. — H. Cornelis
Vroom, „Seegefecht" (datiert 1614. 2xj2 m breit):
3400 Gulden. —Jan van Goyen, „Fluss am Stadtwall"
Grisaille: 3200 Gulden. —Aert van der Neer, „Sommer-
nacht bei Mondschein" : 5000 G. —Jan Steen, „Kugel-
spieler": 5200 Gulden. —

Jan Victoors, „Landpartie": 1800 Gulden. —

MÜNCHEN

Auf der Auktion Eckel, die am 15. Dezember bei
Helbing stattfand, wurden meist Münchener Bilder
versteigert.

Feubach, die Kinder des Künstlers, 13000 M.;
Gabriel Max, Dame mit Hund (achtziger Jahre) 2500 M.;
Stuck, Das Ehepaar Stuck, 3000M.; derselbe, die Sünde,
2400 M.; derselbe, Mädchenkopf 2500 M.; derselbe,
Kinderkopf, 2500M.; derselbe, Damenbildnis, 2750M.;
derselbe, Faune, 2700 M.; derselbe, Faune und Nymphe,
3450 M.; derselbe, Damenbildnis, 1600 M.; derselbe,
die Sphinx, 1500 M. Es sind die üblichen Preise für
Stuck. Ein hübscher Oberländer, Faun und Löwin,
brachte 3900 M. Emil Waldmann.

Zu der Versteigerung der Sammlung Georg Hirth
bei Helbing, deren Preise im Januarheft mitgeteilt
worden sind, schreibt uns auch Dr. A. L. Mayer: Die
Versteigerung —von Hirths Erben und dem Auktionator
glänzend inszeniert — übertraf mit ihrem Gesamtresultat
von nahezu anderthalb Millionen Mark alle Erwartungen.
Die Sammlung dokumentierte alles andere als einen
besonders erlesenen Geschmack des Besitzers. In
Friedenszeiten hätte man sich zweifelsohne bei weitem
nicht so viel um sie gekümmert. Selbst in der Porzellan-
abteilung waren nicht mehr als ein Dutzend erstklassiger
Stücke — die Hirth seiner Zeit auf seiner Deutsch-
Tanagra-Auktion nicht zu den Preisen losgeworden war,
die man damals als „gute" bezeichnete. Besonders
phantastische Preise werden bei denMöbeln und Gobelins
erzielt. Die grossen Händler, denen die Einfuhr sehr
erschwert ist und die Mangel an Ware in diesen höchst
kauflustigen Zeiten fürchten, „hamsterten" förmlich,
ohne Rücksicht auf normale Preishöhen. Es ist nicht
nur charakteristisch, dass einzelne deutsche Rokoko-
stühle über 3 000 Mark erzielten, sondern dass ein Händler
für eine italienische Lackgarnitur aus dem achtzehnten
Jahrhundert, die man in Italien ohne grosse Mühe jeder-
zeit für etwa 4000 Mark erstehn kann, nicht weniger
als 14000 Mark bezahlte und — sie am nächsten Tag
für 25000 Mark schon wieder weiterverkauft hatte.

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