Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 3.1928

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DIE SIEDLUNG KÖLN-KALKERFELD

Der Architekt 1). W. B. Wilhelm Rip-
hahn, Köln, baute den Kern der Kölner
Vorortsiedlung Kalkerfeld.

Die architektonische Haltung der Bau-
anlage ist flüssiger, zugleich aber plasti-
scher wie frühere Arbeilen. Was hier be-
sonders künstlerische Formung erschwerte,
ist die durchgreifende Benutzung eines ein-
zigen Typs von Wohnungen für den ganzen
Komplex. Die plastische Modellierung ist
gegenüber früheren Arbeiten und Ent-
würfen Riphahns auf höherem Niveau
vollzogen. Allmählich beginnt übermäßige
Starrheit der architektonischen Geste zu
brechen, eine unverständlich betonte Härte
beginnt sich zu lösen. Offenbar folgt
die Formengebung größerer menschlicher
Reife, und Riphahn ist noch nicht mal
ein Vierzigjähriger! Nach den Arbeiten
der beiden letzten Jahre erscheint höhere

Erwartung für die Zukunft gerechtfertigt.
Wenn er nur endlich aus eigener, fast
krampfhafter Gebundenheit sich selbst ent-
ließe! Noch ist programmatisches, ge-
hirnlich Vorgefaßtes stärker als elementa-
res Gestallen. Doch die Befreiung kommt,
schon beginnen die Dinge sich zu lösen,
plastische Momente erhalten größeres Ge-
wicht, Spiel und Gegenspiel treten in Er-
scheinung und drängen das zeitweilig Über-
betonte, wenn auch bautechnisch Bedeut-
same auf zureichende Geltung zurück.

Dabei strengste Typisierung, Rationali-
sierung, Technisierung. Starke Berücksich-
tigung aller bauwirtschaftlich und sozial
wichtigen Momente. Erinnert sei daran:
alle Wohnungen sind eines einzigen Typs!
Verbilligung wird zwangsläufig herbeige-
führt, und das ist richtig. Gegenwärtig gibt's
keinen andern Weg, denn bei all den viel-

SIEDLUNG KÖLN-KALK ERFELD

Architekten Wilhelm Riphahn und Caspar Maria Grod, Köln

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