Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 3.1928

Seite: 50
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MODERNE POSTBAUKUNST

Unter der Überschrift „Die Post als
Ästhet" hat Herr Prof. Klopfer in Nr. 10
der „Form" 1927 einen Aufsatz verfaßt,
der leicht ein falsches Bild von der Bau-
tätigkeit der Poslverwallung geben kann
und daher nicht unwidersprochen sein darf.
Der Verfasser verlangt, die Post sollte ihre
Bauten ohne Rücksicht auf das heimatliche
Städtebild errichten. Im Zusammenhang
damit werden Postbauten aus alter Zeit auf-
gezählt, die die heimatliche Bauweise nach-
ahmen. Eine Nachahmung alter Stile ist
selbstverständlich verfehlt, aber das ge-

schieht auch heute nicht mehr. Es ist jedoch
ein Unterschied, ob ich „heimatliche Bau-
weise nachahme" oder ob ich „.einen Bau
in das heimatliche Städtebild einpasse". Das
letztere wird nicht nur, wie Herr Klopfer
selbst zugibt, von namhaften Schriftstellern
verlangt, sondern auch von Provinzialkon-
servatoren, Regierungen und Polizeiverwal-
tungen. Die Post kann als Behörde nicht
ohne weiteres Vorschriften dieser Dienst-
stellen außer acht lassen. Trotzdem hat sie
manche Fehde mit ihnen auszufechten, weil
sie sich eben sagt, daß sie für die modern-

Fernsprechamt Ham-
burg, N i e d e r n stra ß e.
Geschickte Anlehnung an
den Stil bekannter Ham-
burger Großbauten. Der
Klinker ist ein herrliches
Material, nur sollte man
nicht immer mit ihm model-
lieren. Der würdige ernste
Eindruck des Hauses ist
etwas gesucht; Monumen-
talität ist nicht gleichbe-
deutend mit Betonung der
Vertikalen oderMaskierung
mit hochstrebenden Pfei-
lern. Unangenehm wirkt
die Einrahmung des Haupt-
teils der Fassade mit dem
glatten Band des untern
Teils und der Seitenteile.

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