Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 3.1928

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unserem Standpunkt aus zu charakterisie-
ren und weisen auf die Ausführungen des
Herausgebers zu diesem Thema im Leit-
artikel dieses Heftes hin.

Wir halten es für notwendig, daß wir
unseren Lesern in einzelnen Fällen Quer-
schnitte durcli bestimmte Gebiete geben,
einfach um zu zeigen, was vorhanden ist.
Daß bei den Postbauten viel guter Wille
und ehrliches Können zu sehen ist, wird
niemand bestreiten, dennoch fehlt es an
einem festen durchgehenden Willen, der
Eigenart und Charakter des Bauherrn ver-
körpert. Alan muß bei diesen Bauten be-
rücksichtigen, daß sie nicht Arbeiten von
markanten Künstlerpersönlichkeiten sind,
sondern durch Zusammenarbeit von Fach-
leuten der einzelnen Postbauämter ent-
stellen. Der Architekt ist anonym, das Post-
bauamt ist verantwortlich für die Gestal-
tung. Gerade deshalb aber sollten diese
Bauten sich weniger formalistischer Ele-

Postneubau Dortmund, Mal-
linckrodtstraße. Ein freundliches
Postamt, etwas biedermeierisch ver-
sonnen. Vergleicht man mit dem
gegenüberstehenden Eingang des
Deukonhauses, der zwar ganz an-
dere Bestimmungen hat, so spürt
man noch stärker die Zeitfremdheit
dieses Posteingangs. Wenn es nicht
in schönen Lettern geschrieben stün-
de, würde man kaum einen Bau ver-
muten, der dem öffentlichen Verkehr
dient. Sehr schön ist die solide
Bauarbeit. Ob es Leute gibt, die
sich die Porträtbüsten über den
Portalpfeilern ansehen? Wenn die
Plastik am Bau keine andere Rolle
zu erfüllen hat als eine ornamen-
tale, wollen wir sie lieber missen.

mente bedienen, die doch nur als Wieder-
holungen dritter oder fünfter Hand zu wer-
ten sind. Wer die Abbildungen der folgen-
den Seiten durchsieht, wird kaum den Ein-
druck haben, daß all diese Gebilde Verkör-
perungen eines großen Verkehrsapparates
sind, der in seiner modernsten Ausprä-
gung ein typisches Kind unserer Zeit ist.
Als Ziel wäre zu bezeichnen, daß die Archi-
tektur der Post zu einer einheitlichen, dem
Wesen der Aufgabe entsprechenden Gestal-
tung gelangen würde, daß man einem Bau
der Post sofort seine Bestimmung ansieht
und daß er nicht mit einem Industrieverwal-
tungsgebäude oder einem Wohnhaus ver-
wechselt werden kann. Wie weit wir davon
noch entfernt sind, zeigen unsere Bilder.
Dagegen ist in der Gestaltung der Innen-
räume, vor allem der Schalterräume, ein er-
freulicher Wille zur Klarheit zu erkennen,
der schon gute Schöpfungen gezeitigt hat.

Die Schriftleitung
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