Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 3.1928

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RUNDSCHAU

AUSSTELLUNGEN

Wir beabsichtigen, mit dem nächsten Heft über
das Thema Ausstellungen eine Diskussion zu er-
öffnen. Es wird sich darum handeln, einmal ganz
klar festzulegen, was der eigentliche Sinn und
Zweck von solchen Ausstellungen ist, die über das
rein kommerzielle Bedürfnis hinausgehen. Die
großen und bekannten Ausstellungen des In- und
Auslandes seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts
sind in erster Linie Repräsentalionsausstellungen
gewesen mit meist stark nationalem Einschlag.
Jeder, der die Geschichte des modernen Kunst-

gewerbes und den Wandel unserer Auffassung
in den Fragen der Gestaltung innerhalb die-
ses Zeitraumes kennt, wird aber auch wissen,
wie wichtig diese Ausstellungen für die Ent-
wicklung und Ausbreitung der neuzeitlichen
Ideen gewesen sind.

Es gilt zu erkennen und festzulegen, was die
eigentliche kulturelle Aufgabe einer großen Aus-
stellung ist und wie für diese Aufgabe eine Form
gefunden wird, die die beste Lösung der Aufgabe
darstellt. Die Schriflleitung.

Das von der Völkerbundversammlung im September des vorigen Jahres
eingesetzte Fünferkomitee zur Auswahl des Bauplanes für das neue
Völkerbundspalais hat den Beschluß gefaßt, dem Völkerbundsrat das
Projekt der schweizerischen Architekten Flegenheimer und Nenot
für den Bau des Palais zu empfehlen. Diese beiden Architekten
sollen unter Hinzuziehung des französischen Architekten Lefevre, Paris,
des ungarischen Architekten Vago aus Rom und der drei italienischen
Architekten Broggi, Vaccaro und Franzi einen neuen Entwurf aus-
arbeiten, den das FUnferkomitee bestätigen soll. Die Zustimmung
des Völkerbundsrats zur Vorlage des Fünferkomitees wird lediglich
eine formelle Bestätigung sein.

EINE ILLUSTRIERTE ZEITU N GS BEI LAGE

Es gibt gegenüber den vielen illustrierten Bei-
lagen zu Tageszeitungen, die nur aktuellen Bild-
sloff bringen, verhältnismäßig wenige, die sich
zur Aufgabe stellen, durch Bildmaterial und Stoff
auf ihre Leser erzieherisch zu wirken. Wenn eine
so bedeutende und fortschrittliche Tageszeitung
wie das „Berliner Tageblatt" eine illustrierte Bei-
lage „Haus Hof Garten" herausgibt, so könnte
man eigentlich erwarten, daß die Schriftleitung
dieses Blattes sich bemüht, den Lesern nur solches
Bildmaterial vor Augen zu führen, das in neuzeit-
lichem Sinn einigermaßen einwandfrei ist. Merk-
würdig ist die Gegensätzlichkeit zwischen den ge-
zeigten luxoriösen AA. intergärten und üppigen
Innenrämnen und den bildlich dargestellten hand-
werklichen Reparaturarbeilen im Hause. So wird
dabei gezeigt, wie man selbst tapezieren kann,
Anstreicherarbeilen macht, gekittete Vasen zu
Tischlampen umbaut und sich selbst ein Chaise-

longuegestell oder einen Toilettentisch zimmert.
Wenn sich diese Dinge im Rahmen der haus-
fraulichen Tätigkeiten halten, so ist dagegen nichts
einzuwenden, sobald man aber zeigen will, wie
man handwerkliche Arbeiten selbst ausführen
kann, zu deren anständiger Verrichtung eine Lehr-
zeit von drei bis vier Jahren mindestens gehört,
so bewirkt man gerade das Gegenteil von einer
Erziehung der breiten Masse zum Qualitätsgefühl
für handwerkliche Werte. Auch das, was an der
Verwendung von neuzeitlichem Hausgerät gezeigt
wird, kann nicht als sorgfältig durchgeprüft be-
zeichnet werden. Auf der anderen Seite steht
als Gegensatz dazu, aber derselben oberflächlichen
Gesinnung entspringend, das Damenzimmer mit
imitierter japanischer Malerei.

Eines ist Lehrreich, Die Bilder zeigen uns. wie
ein nicht unbedeutender Teil der großen Gesell-
schaft der Reichshauptstadt sich einrichtet. Mög-

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