Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 3.1928

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RUNDSCHAU

BUCH UND KULTUR

DEUTSCHLAND KULTURELL

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FÜHQEND

DEUTSCHLAND STELLT MEHR BÜCHER
HER ALS FRANKREICH UNO ENGLAND

ZUSAMMEN. „
ES PRODUZIERTEN AN BÜCHERN

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Aus einer Tageszeitung:

Erinnert an Kriegs- und Kriegsanleihepro-
paganda. Glaubt der überhebliche Statistiker
wirklich an seine hier aufgestellte These? Wie
wäre es, die Sache einmal anders herum anzu-
sehen. Die bildliche Darstellung scheint mir —
leider — weniger kulturelle Führerschaft als eine
ganz andere Situation zu symbolisieren, grob aus-
gedrückt: auf dem Dache sitzt ein Greis usw.

Hecht aufschlußreich, sich einmal die Buchpro-
duklion der wirtschaftlich aufstrebenden Staaten
U. S. A. und Italien anzusehen. Sie ist stark zu-
rückgegangen !

Zeichen von Unkultur? Eher das Gegenteil.
Mit einiger Phantasie auch deutbar, daß unmittel-
bare Gestallung des Lebens die Buchproduktion
in den Hintergrund drängt.

Im übrigen — sicheres Mittel, unsere Buchpro-
duktion weiter zu heben und unsere kulturelle
Führerschaft zu behaupten, uns weiter in dieser
Weise bei unseren Nachbarn und sonst in der
Welt beliebt zu machen.

Nichts hinzulernen, nichts vergessen, ohne
Zweifel das Bequemste. Bading

Lieber Herr Bading,

Sie haben nur zu recht: diese Art von nationaler
Reklame ist in der Tat recht geschmacklos und
kaum von Nutzen. Und man muß überhaupt
sagen, daß die Anwendung dieses so beliebt gewor-
denen Systems von größeren und kleineren Männ-
chen, Pyramiden, Bergen usw. auf geistige Dinge
doch etwas gar zu primitiv ist. Man kann doch
nicht das, was diese Leute beweisen wollen, mit
Hilfe einer einfachen Zählung von Büchern errei-
chen. Wenn man schon der Ansicht ist, daß die
Zahl der Bücher etwas für die Kulturhöhe eines
A olkes beweist, dann müßte man doch zum min-
desten wissen, wie viele von den Büchern, die in
einem Jahre hergestellt werden, ernsthafter Natur
sind und daher echten Bildungsstoff übermitteln,
wie groß der Prozentsalz des Schundes ist. Aber
wie will man denn das statistisch erfassen, da es
noch nicht einmal gelungen ist, in der Waren-
statistik das Verhältnis zwischen Schund und Qua-
lität kenntlich zu machen? Daher ist eine solche
grafische Darstellung zum mindesten zwecklos und
beweist gar nichts.

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