Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 3.1928

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HECKENDETAIL EINER VORFAHRT IN BREMEN -VAHR

Rhododendron, Taxus. Gartenarchitekt Fr. Gildemeister. Bremen

KUNST UND NATUR IN DER GARTENGESTALTUNG

Zu den Arbeiten von Fr. Güdemeister-Bremen

Seil, um die ~XS ende des Jahrhunderts Avena-
rius und Alfred Lichtwark den Kampf gegen die
in völlige Formenverwilderung versunkene Land-
schaftsgartenkunst eröffneten und zusammen mit
den damals führenden Baukünstlern die Umwäl-
zung vorbereiteten, welche die Wiedereinführung
des architektonischen Gartens zur Folge hatte, ist
die junge Gartenbewegung sich im wesentlichen
selbst überlassen geblieben. Die grundsätzlichen
Auseinandersetzungen traten in den Hintergrund
über der Ventilierung fachtechnischer, wirtschaft-
licher und sozialpolitischer Gartenfragen durch
Gartenfachleute, die an Hand eigener Arbeilen
zwar auch künstlerische Fragen berührten, aber
mit dem, was sie über sich selbst und ihre An-
sichten vortrugen, immer Gefahr liefen, als be-
fangen abgelehnt zu werden. Die Kunstwissen-
schaft, scheint die Zeil zu eingehenderer kritischer
M ürdigung der Ergebnisse der letzten fünfund-
zwanzig Jahre noch nicht für gekommen zu
hallen. Soweit größere Publikationen inzwischen
erschienen sind, tragen sie vorwiegend den
Charakter registrierender Übersichten.

Mlmählich macht sich min in der prinzipiellen
Einstellung der Öffentlichkeit gegenüber dem
architektonischen Garten zunehmende Unsicher-
heil, und Unklarheil fühlbar. Die Vutoritäten der

Baukunst sind ganz mit der lebhaften Entwick-
lung auf ihrem eigenen Gebiet beschäftigt und
widmen sich nichl mehr, wie früher, der kriti-
schen Behandlung der Gartenkunst. Die Allge-
meinheit hat für theoretische Erörterungen gar-
tenkünstlerischer Themen geringes Interesse, so
lebhaft auch ihre Anteilnahme an ^.rchitektur-
fragen ist. Auch in sonst kunstinteressierten Krei-
sen ist die Gleichgültigkeit gegenüber dem Garten,
der vielfach immer noch nicht als ernst zu
nehmendes Kunstwerk gcwerlel wird, ein entschie-
denes Hemmnis für den Sieg der reinen Kunsl-
forni über den nur erst theoretisch überwundenen
Stil des Landschaftsgartens. So mehren sich die
Anzeichen dafür, daß die. Gartenrevolulion von
1900 ohne liefere Wirkungen auf die große
Öffentlichkeit geblieben ist und daß das in har-
tem Kampf und in jahrzehntelanger Arbeil Er-
rungene in Gefahr kommt, unmerklich wieder
verloren zu gehen, wenn nicht, wie zu Zeilen
Lichtwarks, die Vertreter des architektonischen
Gartens in ihrer Arbeil von allgemeinerer Anleil-
und Parteinahme getragen und gefördert werden.

In Stilfragen der Gartenkunst güllige Formu-
lierungen zu gewinnen, ist deshalb schwierig, weil
der Baustoff, mit dem sie arbeitet, nicht, wie bei
der Baukunst starr und endlich in der Form,

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