Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 3.1928

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Gartenbild unserer Zeit beherrscht. Bei ihm sind
wir gezwungen, auf den Ursprung des Gartens
überhaupt, auf die Pflanze zurückzugehen. Audi
die mit der Entwicklung des Gartenlebens stei-
gende Beziehung des Menschen zur Gartenpflanze
ist hier am deutlichsten spürbar.

DAS GARTENBEET ALS ELEMENT DER GARTENFORM

Beetmaße - Zaunmaße
Zaunmaße Pflanzenmaße (Spalierobst)

Vorhöfe, Rasen, Lauben, Verkehr sind von diesen Maßen
abhängig. Neue Gartengeräte (Fräse, Dungsilo, Regenan-
lagen) beeinflussen besonders die äußere Gartenform. Garten
in Wohnung einbezogen und umgekehrt (Terrassen, Pergolen,
Wintergarten)

Die Grundelemente des Kleingartens sind:
Pflanze und Beet.

Die Pflanze lebt normalerweise in der Natur
(freie Vegetation). Aus der freien Natur heraus-
geholt braucht die Pflanze ein Bett, das Beel
(gebundene Vegetation). Im Kulturbeet wird
jede Naturpflanze: Gartenpflanze. Durch das
Beet wird Landschaft: Garten. Die Art der Gar-
tenbeete reicht vom Stechlingstopf bis zum Fuß-
ballrasen.

Das Urgartenbeet ist ein Nulzpflanzenbeet. Es
ist eigentlich schon ein fertiger Garten. Dieses
Beet kann, in Grenzen, beliebig lang, darf aber
gewöhnlich nur so breit sein, wie der pflegende
menschliche Arm zuzüglich Oberkörper reicht.
Durch ungewöhnliche Züchtung und ungewöhn-
liche Phantasie der Gruppierung werden Maß und
Inhalt des Gartenbeetes abgewandelt. Der Garten
an sich ist demnach also eine Kombination von
Beeten verschiedener Größe und wechselndem In-
halt. In seinen vom Menschen, geistig und phy-
sisch, abgeleiteten Grundmaßen ist demnach Gar-
tenform festgelegt.

Und der Mensch ist es, der die Gartenelemenle
weiter formal beeinflußt. Einmal durch Für-
sorqemaßnahmen, sodann durch Einrichtungen
für den Genuß des Gartens.

Der Mensch sorgt für Schutz seines Gartens
durch Zäune, Hecken, Mauern, Glas, Heizung und
anderes mehr. Er sorgt für Wasser und Dung
durch Brunnen, Wasserleitungen und -Verteiler,
durch lebenspendenden Humus und körperauf-
bauende Salze. Er sorgt schließlich für rein kör-
perliche Pflege der Pflanzen und Einrichtungen
durch Geräte aller Art. Alle diese konslrukliven
und funktionellen Yorrichlungen für Einrichtung
und Betrieb des Gartens haben seit Urbeginn stets
auch stark die formale Erscheinung des Gartens
beeinflußt. Es ist klar, daß ein moderner Gar-
ten, der mit Fräsen, Glas und Begenanlagcn be-
trieben wird, von sich aus auch ohne bewußte
Formgestaltung ein anderes Gesicht haben wird
als der Garten, der nur die Hacke als Universal-
inslrument kennt. Charakteristisch ist der kol-

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