Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 3.1928

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daß Reklame und Sensation, die heute doch
mit der Struktur unseres ganzen Lebens zu-
sammenhängen, naturnotwendig qualitätslos
sein müßten. Vielleicht ist es schwerer in
den Dingen, die nur eine kurze Lebensdauer
besitzen, die immer wieder von der Zeit
überholt werden, Qualität zu wahren, aber
die Qualität muß ja vor allem in der ganzen
Haltung liegen, sie ist eine Gesinnung. Und
von da aus wird sie sich auch all den kurz-
lebigen Erscheinungen, die doch ein, wenn
auch vorübergehender, Ausdruck dieser
Haltung und Gesinnung sind, sich von selbst
mitteilen.

Es ist vor allen Dingen notwendig, daß
die Presse ihre richtigen Aufgaben und ihre
Grenzen kennt. Sie dient dem Leben und
dient dem Tag. Sie muß aber auch die Ge-
samtheit des Lebens erfassen. Und ein gro-

ßer Fehler ist es, wenn sie sich immer nur
in den Ressorts hält, in Politik, Wirtschaft
und allgemeinem Bildungsteil. Gewiß ist es
schwer, den richtigen Ton zu treffen, um
die Breite der Leserschaft zu fassen, jede
Zeitung wird ihren eigenen Ton haben müs-
sen. Der große Bildungsunterschied der
Leser bietet wohl Schwierigkeiten, aber
man verlangt doch im allgemeinen von der
Zeitung keine Erörterungen tiefgründiger
Probleme, sondern einen gesunden Men-
schenverstand und lebendige und freudige
Einstellung zur Wirklichkeit. Fragen aus
dem Gebiet der gestaltenden Arbeit dürfen
in der Presse nicht ästhetisch weltfremd be-
handelt werden, sondern so, wie sie ins
Leben hineinpassen — sagen wir ruhig ein
wenig amerikanischer.

W. Lötz
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