Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 3.1928

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dividuelle und reich« Formungen, bilden wir eine
Anzahl von ganz einfachen Grabsteinen ab, die an
anderen Orden in Deutschland heute gefertigt
werden. Vor allem die Grabsteine der Klasse Lör-
cher an der Stuttgarter Kunstgewerbeschule schei-
nen uns wahrhaft vorbildlich zu sein, in ihrer
Einfachheit sowohl wie in ihrer erst „empfunde-
nen" Form und Schriftgestaltung. Sic sind in
ihrer Grundform noch einfacher als die vom „Ge-
wann J", — aber doch geht von jedem einzelnen
der Zauber des Persönlichen aus, wie wir es nun;
einmal an einem Grabsteine lieben. Und wir
könnten uns denken, daß ein Friedhof nur mit

Einheillichkeil gewährleisten, wo aber der Ge-
staltungsfreude des einzelnen doch noch etwas
mehr Freiheit gelassen wird.

Die von uns früher ausgesprochene Befürch-
tung wird durch die Bilder vom „Gewann J"
nicht ganz zerstreut: daß durch ein derartiges
Eingreifen der Behörde die Entwicklung der
Grabmalskunsl nicht gefördert sondern eher er-
schwert wird, weil die künstlerischen Kräfte in
ihrer freien Entfaltung gehemmt werden. Die
positive Gestaltungskraft scheint uns einfach in
dem „Gewann ,1" nicht stark genug zu sein, —

und damit wir nicht in den \ :rd kon jfcgMKM HFRMÄNN'UHRIG ^

als verlangten wir von dieser Gesl IK^PflH "& EÖ' 3 O* H JI I "1 (S/^

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solchen Steinen bestanden einen noch einheit-
licheren Eindruck machen würde als das „Ge-
wann J", obwohl die Behörde dabei nicht im
einzelnen alles festgelegt hätte, — und daß ein
solcher Friedhof mehr von der eigentlichen inne-
ren Lage unserer Zeit aussagen würde, weil er
keine strengere Form einer Gemeinlschaft vor-
aussetzt, als sie in unserer Zeit bereits verwirk-
licht werden kann. W. Biezler

GRABSTEINE AUS MUSCHELKALK, KLASSE LÖRCHER

Kunstgewerbeschule Stuttgart.

Gefertigt von: Hausmann (links oben), Sohorer (links unten),
Uhrig (rechts)

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