Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 3.1928

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Es will uns scheinen, als läge etwa in
dem nur aus Buchstaben gebildeten Turm
am Haus der Arbeiterpresse eine echtere
Phantastik als in dem seltsam übersteiger-
ten, aus jeder Welt der Logik herausge-
hobenen Hag-Turm, den Hoetger gebaut
hat, — wie wir überhaupt gestehen, daß uns
für diese „Baukunst" jedes Verständnis
mangelt; sie scheint uns nicht im minde-
sten „modern", sondern schrullenhaft rück-
ständig zu sein, und ganz sicher kommt man
auf diesem Wege nicht zu der von Hoetger
mit vielen andern ersehnten neuen hand-
werklichen Form.

Ein organisatorischer Witz hohen Banges
war es, neben diesen Turm ausgerechnet
jene Kopie der Amalicnburg zu stellen, mit
der München auf der „Pressa" vertreten ist.
Dieser Bau braucht uns hier nicht zu be-
schäftigen. Immerhin ist es lehrreich, eines
festzustellen: von diesem Barock führt

keine, auch nicht die leiseste Verbindung
hinüber zu dem, was man heute baut; er
steht fremd und fern in dieser Welt und
man muß sich vor ihm erst wieder ins Ge-
dächtnis rufen, daß das vor gar nicht lan-
ger Zeit die Formen unserer Baukunst
waren, ja, daß es sogar bis gegen 1900 in
einzelnen Fällen so etwas wie ein lebendiges
Fortwirken dieser Formen gegeben hat.
Der Schritt, den die Baukunst inzwischen
getan hat, ist entscheidend und duldet kein
Zurück!

Nur aus örtlichen Gründen sei hier auch
noch einiges über Bartnings Stahlkirche ge-
sagt; sie ist ja kein eigentlicher Ausstel-
lungsbau, sondern gedacht als bleibende
Kirche, die nach Schluß der Ausstellung
irgendwo anders aufgestellt werden soll. Sie
ist also ganz grundsätzlich zu werten, erhebt
ja auch den Anspruch, einen neuen Typus
der evangelischen Kirche nicht nur anzu-

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