Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 3.1928

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Gegenstand einer Eingabe an den Reichsarbeits-
minister gemacht hat. Gefordert wird hier die
Schaffung einer auf lange Sich l gleichmäßig
fließenden Geldquelle aus öffentlichen .Mitteln für
den Wohnungsbau, die eine ebenso gleichmäßige

O * DO

Durchführung eines Bauprogramms auf lange
Sicht gestattet. Damit würde die unheilvolle Ver-
zögerung der Auftragserteilung, die sich noch fast
in jedem Jahr gezeigt hat, vermieden, was drin-
gend erwünscht wäre. Der Saisoricharakter des
Baugewerbes wird dadurch jedoch nicht beseitigt:
hierzu wäre vielmehr eine viel stärkere Bevor-
zugung der Bauweisen nötig, die durch fabrika-
torische Herstellung der Bauteile und Montagever-
fahren an der Baustelle von der Witterung weit-
gehend unabhängig sind (Plattenbau, Stahlbau).
Wie die Umstellungen, die sich hier anbahnen, auf
den allgemeinen honjunkturverlauf zurückwirken
werden, läßt sich heute noch nicht übersehen.

Finanzfragen den Wohnungsbaus.

Der Streit um die Weiterführung der Woh-
nüngszwangswirtschaft wird natürlich erst mit die-
ser Zwangswirtschaft selbst verschwinden. Prof.
Dr. Max J. Wolff verlangt in der D. A. Z. einen
befristeten Abbau, der nach seiner Meinung rasch
zu einer Umschichtung führen wird: allein-
stehende Personen werden ihre übergroßen Woh-
nungen aufgeben, Familien werden aus Unter-
mietern zu Mietern aufrücken; ferner soll der
Handel mit Wobnungen legalisiert und eine
öffentliche Krediterteilung zur Zahlung des Ab-
slandes ermöglicht werden. Das ist vielleicht doch
zu einfach gedacht. Die großen Kommunen haben
jedenfalls auf dem Slädtelag die Beibehaltung der
Jlauszinssteuer für unerläßlich erklärt und ver-
langt, daß ein größerer Teil davon, wo nicht der
ganze Ertrag, zu Wohnungsbauzwecken verwandt
werde. Ähnlicher Ansicht ist der Berliner Stadt-
verordnete v. Jecklin, der politisch dem Prof.
Wolff nahestehen dürfte. Er erklärt (in der Ber-
liner Börsen-Zeitung) die Mielsverbilligung durch
die öffentliche Hand auch weiterhin als erforder-
lich, verlangt aber, daß die Entstehung eines kom-
munalen Uausbesitz.es vermieden wird, und for-
dert darum die Industrie auf, sich zur Leistung
von Mietssenkungszuschüssen zusammenzuschlie-
ßen. Schließlich veröffentlicht der Wirtschafts-
redakteur des „Vorwärts", G. Klingelhöfer, in der
Zeitschrift „Soziale Bauwirtschaff' ein ausge-
sprochen sozialistisches Programm als Theorie zur
Praxis der „Sozialen Baubetriebe"; das Ziel ist
hier, an die Stelle der vier Rentenbezieher — Bau-
herr, Bauunternehmer, Hypothekenbank und Kre-
ditbank — einen gesellschaftlichen Unternehmer
zu setzen, dessen Überschüsse nicht mehr Beule
sind, sondern gesellschaftliches Kapital.

Eine Siedlung der Reichsforschungsgesellschaft.

Die Reichsforschungsgesellschaft für W irl-
schaftlichkeit im Bau- und Wohnungswesen
schreibt einen Wettbewerb aus für die Aufteilung
eines Geländes in Berlin-Spandau, auf dem eine

Forschungssiedlung mit 4000 Wohnungen errich-
tet werden soll. Der Wettbewerb ist im ganzen mit
50 000 Mark dotiert, aus denen Preise von ein-
mal 10 000, zweimal 5000 und zehnmal 3000
Mark verteilt werden sollen. Verlangt werden
skizzenhafte Vorentwürfe, die wirtschaftliche
Lösungen bringen sollen. Zu den Preisrichtern
gehören Baurat Biepert und Begierungsrat Lüb-
bert, die Professoren Bartning, Mebes, Schu-
macher, Siedler, die Stadtbauräte May und Wag-
ner, Oberregierungsbaural Vorhoelzer-Münclien,
als Laienrichter Dr. Marie Elisabeth Lüders, Stadt-
rat Czeminski, Oberregierungsrat Weber. Ab-
lieferungstermin ist der 4. Dezember d. J. Die
Einzelheiten des Programms sind in Nr. 18 der
„Mitteilungen" der BFG wiedergegeben.

Konjunktur und Preise in der Bauwirtschaft.

Die Erwerbslosenziffern in der Bauwirtschaft
zeigten im September bereits wieder eine leicht
ansteigende Richtung. Die Arbeitskräfte, die nach
Fertigstellung der Frühjahrsbauten entlassen wur-
den, konnten nur in einzelnen Landesteilen noch
voll untergebracht werden. Besonders in den
Großstädten nahm der Auftragsbestand ab,
während die Landwirtschaft nach einem relativ
günstigen Ernteergebnis etwas stärker als Auf-
traggeber der Bauwirtschaft auftritt. Am Baugeld-
und Hvpothekenmarkt ist die Tendenz wieder
knapper geworden, erste Hypotheken bedingen
auch bei guten Objekten alles in allem 10 v. EL
und darüber, zweite Hypotheken in günstigen Fäl-
len 12 v. 11.. häufiger aber 13 und 14 v. H. Der
Baukostenindex steht vor einer Erhöhung, da seit
27. September in den meisten Gebieten höhere
Stundenlöhne in Kraft sind und vom 7. Oktober
ab fast bei allen Baustoffen die llprozentige Er-
höhung der Gütertarife vom Verbraucher zu
tragen ist.

Die bevorstehende Tariferhöhung hat bei den
meisten Baustoffen zu Vorratskäufen geführt, so
u. a. in Ziegeln und Zement. Eine gewisse Bele-
bung am Dachziegelmarkt entspricht der Saison.
Für Mauersteine macht sich ein Preisdruck be-
merkbar, da viel l ach Besorgnisse vor allzu starken
Winterlagern besieht. Am llol/.markt ist die Stim-
mung stark gedrückt. Die Vereine der Jlolzinter-
essenten haben bei ihrer letzten Tagung dringend
nach Herabsetzung der Taxen der staatlichen
Forstverwaltungen verlangt, und man erwartet mit
Interesse den Verlauf der bevorstehenden großen
Auktionen. Der Eisenmarkt hat in letzter Zeit
eine leichte Bewegung erfahren; es muß mit der
Möglichkeit gerechnet werden, daß die eisenschaf-
fende Industrie aus Anlaß der Frachterhöhung
erneut die Frage einer Erhöhung der Preise auf
die Tagesordnung setzt. A. Schwab

Anschriften der Mitarbeiter dieses Heftes:

Paul lienner, Direktor der Gewerbeschule, München, Prämie! i. ''
tiahi Warnecke, Frankfurt a. M., Nene Mainzer Str. 37
Dr. Alesünder Srliwah, Berlin W -,7, PoUtlainer Str. 93

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