Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 44.1933

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INNEN-DEKORATION

architekt fritz gross. wohnung b.

wäschetruhe mit sekretär. okume, tu)a

KOMFORT IST NICHT LUXUS

Es ist gleichgültig, ob eine Wohnung groß oder
klein ist, ob 1500 oder 15000 Mark zur Verfü-
gung stehen, um sie behaglich und schön zu gestalten.
Die Schönheit der Dinge ist unabhängig vom Preis.

Unser Klima ist nicht sehr freundlich, nicht immer
strahlt die Sonne. Darum sollen die Farben unserer
Räume hell und froh sein. Wir reagieren jeder auf
andere Farben, weiß, beige, seegrün, pasteil, blau
rosa. Helle Farben vergrößern den Raum: lichte Gar-
dinen, helle bedruckte Vorhänge und Chintze oder
harmonisch getönte gewebte Stoffe.

Die einfachsten Möbel werden trotz aller und ge-
rade wegen ihrer Zweckmäßigkeit schön sein, wenn
das Material gut gewählt ist, denn Form, Farbe und
Material entscheiden.

Alle nur für den Zweck bestimmten Gegenstände
sollen ihre Schönheit nur ihrer Zweckform, ihrem
Material, ihrer Farbe verdanken. Bilder und Plasti-
ken, ob aus vergangenen Jahrhunderten oder aus un-
serer Epoche, mögen allein je nach der Liebhaberei
des Bewohners als Schmuck dienen.

Es ist natürlich ein Unding, zu sagen, der Ge-
schmack sei verschieden. Augen, die sehen, ver-

gleichen, unterscheiden können, sorgfältige Erzie-
hung, Fleiß und Begeisterung und nicht zuletzt eine
glückliche Begabung sind die Grundlagen eines guten
Geschmacks. Zeitschriften mögen da belehren, An-
schauung soll erziehen, und gewissenhafte Berater
sind als »Ärzte des Geschmacks« heranzuziehen.

Es ist eine wahre Verjüngungskur, in modernen
Räumen, die Licht, Luft und Sonne haben, zu woh-
nen. Die Ruhe der Form, die Verhaltenheit der Far-
ben taucht alle Sinne in die Stille, deren wir nach dem
Lärm des Tages so dringend benötigen.

Die Größe des Hauses garantiert nicht volle Befrie-
digung aller Wünsche oder größte Behaglichkeit. Das
angenehmste Haus ist das, welches alles enthält, was
wir nur unbedingt benötigen. Das luxuriöse Haus
und die luxuriöse Wohnung gehören einer
vergangenen Epoche an, dem Hause des
Komforts gehört die Zukunft. Komfortable
Wohnbauten sind schöner, sonniger, bequemer, per-
sonalarmer, aber lebensreicher, verjüngender als die
finsteren Paläste der Zeit des Ungeschmacks, die uns
in eine Welt zwangen, die mit Licht, Luft, Sonne und
Freiheit nichts zu tun hatte, arch. prof. f. a. breuhaus.
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