Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 44.1933

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INN EN-DEKORATION

KARL BERTSCH. DEUTSCH!- WERKSTÄTTEN

»SPEISEZIMMER« IM HAUS AM RUPENHORN

DEUTSCHE WERKSTÄTTEN-MÖBEL

VON PROFESSOR W. VON WERS1N

Die bedeutenden politischen Ereignisse der Gegen-
wart, die auf alle Gebiete des kulturellen Lebens
neugestaltend und befruchtend einzuwirken im Be-
griffe sind, haben eine Situation geschaffen, in der
alles Bestehende von Neuem auf die Probe gestellt,
auf seinen inneren, absoluten Wert geprüft und auf
seine Bedeutung für eine zukünftige, in einem klaren
Sinn uns eigene Entwicklung untersucht wird. Diese
Situation nötigt auf jedem einzelnen Gebiet zu einer
Rückschau nach dem ursprünglichen Ziel, nach dem
bisher zurückgelegten Weg und einem Ausblick nach
einem heute noch unerfüllten Wunschbild.

Die Wurzeln und die ersten Zielsetzungen der Be-
wegung, der wir die Erneuerung der Raumkunst ver-
danken, liegen heute schon so weit zurück, daß es not
tut, wieder daran zu erinnern. Und es ist gut, an den
ersten Ausgangspunkt zurückzukehren, um die ge-
leistete Arbeit zu überblicken und um zu sehen, wie-
viel von den damals lebendigen Gedanken heute noch
Gültigkeit haben.

Was die Zeit um 1900 wollte und sich zum Ziel

setzte, wird deutlich aus einer Werbeschrift der
»Dresdner Werkstätten für Handwerkskunst«, aus
denen später die »Deutschen Werkstätten-Hellerau«
hervorgegangen sind. Diese Schrift ist um das Jahr
1899 verfaßt und kann als ein bezeichnendes Pro-
gramm der damals jungen, sogenannten kunstgewerb-
lichen Bewegung angesehen werden. Es heißt darin:
»Auch das Kunstgewerbe hat sich darauf besonnen,
daß es seine beste Kraft aus der eigenen Zeit, aus den
Bedürfnissen und Anschauungen der Lebenden
schöpfen muß . . . Wir wollen . . . Zimmereinrich-
tungen, Möbel und Schmuckstücke für das Haus des
Mittelstandes schaffen, die nicht auf den hohlen
Schein berechnet sind und nicht das Reiche und
Prächtige mit unzulänglichen Mitteln in unsolider
Weise nachahmen. Vielmehr soll das, was wir für den
Mittelstand bieten, durchwegs tauglich und dauerhaft
in der Herstellung sein, dabei aber doch künstleri-
schen Reiz haben und im Preise sich nicht uner-
schwinglich hoch stellen . . . Wir wollen Möbel
schaffen, die so gestaltet sind, daß jedes Hausgerät
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