Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 44.1933

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INNEN-DE KORATI ON

MECHANISCH UND SCHÖPFERISCH

HEUTE in diesem technischen Zeitalter erinnert
man sich ungern oder gar nicht daran, daß es
schon recht lange Maschinen gegeben hat, daß z. B.
die Töpferscheibe auch eine Maschine ist. Neu ist nur,
daß der Mensch sich von der Maschine, die in be-
ängstigendem Tempo sich vervielfältigt, umge-
wandelt und vervollkommnet hat, unterjochen
ließ, eben dieses Tempos wegen, da er nicht Zeit
fand, jeder neuen Form in der Eile Herr zu werden.

Zwischen Werkzeug und Maschine gibt es also
keine feste Grenze. Qualitätsarbeit kann der Mensch
mit dem Werkzeug schaffen oder mit der Maschine,
sobald er sie zum Werkzeug bewältigt hat.
Darauf kommt es an.

Also nicht die Maschine an sich ist es, die die
Arbeit minderwertig macht, sondern die Unfähigkeit,
die Maschine richtig zu verwenden. Theodor fischer



ES ist eine Utopie, zu fürchten, daß irgendwann ein-
mal die technisch-mechanistische Gesetzmäßig-
keit alle formalen Lebensäußerungen in feste, ent-
persönlichte Normen zwingen wird. Gewiß wird der

Prozeß der Typisierung in den technischen Ausdrucks-
formen weiter fortschreiten. Das wird unvermeidlich
und schließlich auch nur folgerichtig sein. Er wird
sich aber nur soweit auf die Dauer durchzusetzen
vermögen, als seine Resultate Segnungen bedeuten,
als seine Wirkungen gesund bleiben. Denn nur das
Gesunde ist lebensfähig und lebensberechtigt. Die
letzten Intentionen jedoch, die der kompliziertesten
Mechanistik zugrunde liegen, gehen immer vom Men-
schen, vom Menschengeiste aus. Er entscheidet über
Art, Maß und Ziel der Formbewegung. Damit ist aber
sogleich die Gewißheit gegeben, daß die individuelle
künstlerische Regung nie erstickt werden kann, nie
von den mechanistischen Elementen bezwungen.

Dr. herbert hofmann

SELBSTTÄUSCHUNG ist es, zu glauben, daß
Gebautes nur das Ergebnis von Rechnung und
Zweckmäßigkeit, von Technik und Material sei. Alle
Architektur, jedes Haus, jeder Stuhl, ist über Zweck-
mäßigkeit und Materialgerechtheit, über technische
Vernunft und Qualität der Arbeit hinaus eine In-
karnation des Künstlers und seines Volkes. w. b.
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