Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 44.1933

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INNEN-DE KOR ATI ON

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LUDW. KOZMA. LANDHAUS ROSENHÜGEL »SCHLAFZIMMER DER DAME« SOFA AUS HANDGEWEBTEM STOFF (ROT-SCHWARZ-WE1SS)
WAND GRAUE SALUBRA, ZEBRANO-HOLZ, BLAUER LINOLEUM-FUSSBODEN

HERRSCHAFT DER COUCH

Im Grunde genommen ist die Couch ein Einzelmöbel.
Eine organische Notwendigkeit verknüpft sie weder
mit Schlaf-, Eß-, Herren- oder Wohnzimmer. Aber
sie läßt sich in jeden dieser Räume hineinkombinieren.
Sie ist überall da richtig am Platz, wo es gilt, die
Note eines Raumes etwas aufzulockern und ein biß-
chen lustige Unbekümmertheit und heimelf|e Ge-
mütlichkeit in ihn hineinzutragen. Wir haben sie aus
Amerika übernommen. Und sie hat etwas von der
genial-praktischen Lebensart der Neuen Welt, in der
sie wie kaum ein anderes Möbel dominiert. Ursprüng-
lich war sie als Bett-Ersatz für das Schlafzimmer ge-
dacht. Raummangel, Wohnungsbeschränkung, not-
wendige Ersparnis eines Zimmers begründeten ihre
Entstehung. Der Typ des Schlaf-Wohnzimmers ent-
stand. Das neue Bett brauchte sich tagsüber nicht
hinter einer spanischen Wand zu verkriechen, es
rechtfertigte seine Anwesenheit hinter ein paar bun-
ten Seidenkissen. Das ideale »Nachtlager«!

Wenn uns ein Ding aber wirklich gefällt, so sind
wir in seiner logischen Begründung nicht engherzig.
Und die Couch gefiel uns! Sie tauchte auf als ruhender

Pol in der aufreibenden Hast unserer Tage. Als Ver-
körperung des Heimisch-Behaglichen in unserer
strengen Sachlichkeit. Sie schwebt als ewige Lockung
vor unseren Augen. Wir begannen kleine, spielerisch-
leichte Träumereien um ihre leuchtend bunten, brei-
ten, weichen Polster zu bauen, und die Innenarchi-
tekten, die berufenen Realgestalter unserer heim-
lichen, noch nicht in Form und Umriß gebannten
Wünsche, setzten sie in immer neue Einfälle um.
Couchumrandungen mit Klapptischchen und einge-
bauten Bücherbrettern, Regale und stimmungsvoll
dazu komponierte Lampen. Ja, zuweilen wird die
Couch zum tonangebenden Mittelpunkt eines Zim-
mers, um den sich alles andere untergeordnet grup-
piert. Es scheint, daß sie sich unserer Vorliebe für sie
absolut bewußt geworden ist. Und darin eigentlich
unterscheidet sie sich völlig von verwandten Vor-
gängern, und vor allem von dem von ihr etwas ver-
drängten Sofa. Sie fügten sich viel anspruchsloser in
den Rahmen eines Zimmers. Der Grund dafür lag
nicht in uns, sondern in ihnen selbst. Man muß eben
dazu geschaffen sein, herrschen zu können. T. H.

1933. XI. 3
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