Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 44.1933

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INNEN-DE KORATI ON

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architekt paul läszlö —stuttgart aus einer wohnung in zürich

EINFACHE FENSTERBEKLEIDUNGEN

Die Fensterbekleidung entscheidet über den Raum
nach der Seite seiner ästhetischen Wirkung,
noch mehr nach der Seite seiner Wohnlichkeit. Bei
jedem Umzug kann man das neu beobachten: Alle
Möbel können in einem Raum stehen, sogar der
Teppich kann schon gelegt sein - aber solange die
Fenster noch kahl sind, hat der Raum noch nicht
das Merkmal der Bewohnbarkeit. Daran hat sich
auch heute im Zeitalter der ausschweifenden Licht-
und Sonnenfreude nicht viel geändert. Nur hat die
neue Zeit, wie in so vielen Dingen, auch über Fen-
sterbekleidung praktischer und zweckmäßiger den-
ken gelernt. Sie hat begriffen, daß nicht der Auf-
wand an Stoff und Mitteln, nicht die Kompliziertheit
der Ummantelung den ästhetischen Wert und die
Wohnlichkeit der Fensterbekleidung bestimmt, son-
dern die Wahl der Farben und des Gewebes, die Über-
zeugungskraft und Großzügigkeit der Anordnung.

Was das Gewebe anlangt, so bevorzugt die heutige
Fensterbekleidung meist die leichteren Stoffe, die
einen anmutigen Fall und Faltenwurf haben, und die
nicht mehr zu leisten brauchen, als daß sie den Ein-
sprung der Fensternische verdecken; denn zum völli-
gen Lichtabschluß von draußen dient der Rolladen.

Bezüglich der Farben handelt es sich um gute
Übereinstimmung mit den Tönen und Mustern der
Wandbekleidung und der Möbelbezüge - keines-
wegs etwa auf die Weise, daß da ängstlich auf buch-
stäbliche Übereinstimmung zu sehen ist, wohl aber
auf die Weise, daß im Charakter, in der Stimmungs-
lage eine Beziehung da sein muß.

Im übrigen ist für die Fensterbekleidung Ein-
fachheit das Gebot der Stunde. In leichter, gerad-
liniger Faltung hängen in den auf diesen Seiten ab-
gebildeten Räumen Gardinen und Vorhänge herab,
eingerichtet auf bequeme Handhabung und leichte
Reinigung. Eine große Hilfe für letztere bedeuten die
neuzeitlichen, licht- und waschechten Indanthren-
farben, die sich selbst in zarten Abtönungen immer
frisch erhalten (die Gardinen der Räume auf Seite 430
oben und 431 zeigen Gewebe in Indanthrenfarben,
deren Muster von Paul Läszlö entworfen sind).

Das schönste Ergebnis des heutigen Stils ist, daß
eine gute, repräsentable Fensterdekoration, früher
eine sehr kostspielige Angelegenheit, heute eine
überall erschwingliche Sache ist, bei der Geschmack
und sorgfältige Wahl eine größere Rolle spielen als
der Aufwand an Geld. Wilhelm michel
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