Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 44.1933

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INNEN-DEKORATION

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ELLE WEISBACH WERKSTATTE

HANDBEMALTE LAMPENSCHIRME

LAMPENSCHIRME VON ELLE WEISBACH

Schöpferische Werte können auch auf einem mit
Bewußtheit und Absicht abgegrenzten Gebiete ent-
deckt werden. Vor allem, wenn der so Wirkende sich
freien und klaren Willens selbst beschränkt, nicht ein-
geschränkt ist in jenem Verstände, daß er für nichts
anderes Blick und Sinn hat, vielmehr Ein- und Weit-
sicht hineinträgt in sein abgesondertes Arbeitsbereich.

Die Malerin Elle Weisbach hat sich ein Tätigkeitsfeld
erwählt, das sie selbst sich erst erschloß: Schirme für
Lampen, wie sie in moderne Wohnräume passen, neu
im Material und neu in der kunsthandwerklichen
Durchbildung. Zwei oft an der künstlerisch schaffen-
den Frau beobachtete Grundeigenschaften wirken
hier ineinander, der Verschönerungstrieb, der sich
so gern auf die Dinge der nächsten Umgebung wirft,
und der praktische Sinn, der das Schöne auch als
Zweckvolles wünscht.

Man verwendete bisher für Lampenschirme Glas
oder Gewebe mannigfachster Art, in erster Linie
Seide. Jenes machte die Lampe schwer und unhand-
lich, diese hatten den Fehler, daß sie schon nach kur-
zer Zeit unansehnlich wurden.

Elle Weisbach hat nun Materialien gefunden, die

ebenso lichtdurchlässig sind wie Glas, ebenso warm
und wohltuend für die Augen wie Seide, aber den
Vorzug geringsten Gewichts mit dem kaum begrenz-
ter Dauerhaftigkeit vereinen und der künstlerischen
Bearbeitung jede Möglichkeit offenlassen. Sie ver-
wendet außer sorgfältig erprobten Edelpapieren auch
ein Material, dessen Grundbeschaffenheit sich mit
dem der Kunstseide deckt, aber durch besondere Be-
handlung zu glatter und dabei widerstandsfähiger
Fläche verarbeitet wird. Diese Fläche wird durch
Faltung in die Form eines Kegelmantels gebracht und
kann in jedem gewünschten Grundton durchgefärbt
werden. Die Künstlerin bescheidet sich indessen nicht
mit schönen einfarbigen Erzeugnissen. Sie erhebt
jeden Lampenschirm durch Handbemalung zu einem
einmaligen kleinen Kunstwerk, das doch nur den
Alltag unaufdringlich verschönen will. Elle Weis-
bach läßt sich bei solch letzter Veredelungsarbeit ganz
vom Gefühle leiten, und es macht ihr Freude, sich
nicht zu wiederholen, weder in der Farbe noch in der
Form. Bald gleiten nur Rhythmen über die Fläche,
spielend leicht und kaum spürbar hier, in kraftvollen
Tönen dort, bald breiten sich phantastische Formen,

1933. XII. 4
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