Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 44.1933

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INNEN-DEKO RATION

PROFESSOR PAUL RÖSSLER-DRESDEN »BERGPREDIGT«
TEIL EINES GLASFENSTERS, DRESDENER DIAKONISSEN-KIRCHE

EIN MEISTERWERK DER
GLASMALEREI

VON PAUL RÖSSLER

In der Neustadt von Dresden, der alten
Heeresstraße nach Bautzen, befindet sich
das Krankenstift der Diakonissenanstalt. Den
architektonisch bedeutungslosen Gebäuden
hat Professor Max Hans Kühne, der Erbauer
des Leipziger Zentralbahnhofs, dem Dresden
sein neues Schauspielhaus und viele moderne
Bauten verdankt, eine Stiftskirche angeglie-
dert, die im Geiste heutiger Kirchenkunst ent-
worfen ist. Der kleine, vornehme Innenraum,
der mit umlaufender Empore, Orgelplatz und
kleinem Rundchor wie eine veredelte Dorf-
kirche wirkt, erhält sein Licht an der Straßen-
seite durch schmale, bis zum First durchge-
führte Fensterstreifen aus weißem Glas. In
der Apsis aber, die ebenfalls von diesen
Schmalfenstern durchbrochen ist, ist der
eigentliche künstlerische Schmuck des sonst
sehr einfach gehaltenen geistlichen Versamm-
lungsraumes als Blickpunkt für die Andäch-
tigen angebracht: farbige Glasfenster, die
Professor Paul Rößler entworfen und ausge-
führt hat. Diese Glasmalereien sind künst-
lerisch und handwerklich eine der bedeutend-
sten Leistungen dieses Meisters der dekorativen
Künste, der durch so viele Ausmalungen und
Wiederherstellungen malerischen Schmuckes
kirchlicher Innenräume Ruhm erworben hat.
In Dresden hat sich Paul Rößler, nun ein
Sechzigjähriger, auf dem Gebiete der Glas-
malerei vorher und zuletzt durch große Ent-
würfe zu den Kriegsweihefenstern des Vitz-
thumschen Gymnasiums legitimiert. Durch
seine Glasfenster in der Diakonissenkirche ist
dem Räume die Weihe tiefreligiöser Stimmung
gegeben worden. Über die ganze Höhe und
Breite der sechs Fensterstreifen spannt sich
ein Kreuz aus, das mit seinem herrlichen Rot
ein freudiges Leuchten ausstrahlt. Die ganze
Rundfläche ist dadurch in vier Felder geteilt,
zwei kleine oben über dem Querbalken des
Kreuzes und zwei große, lange unten. Diese
durch die senkrechten Fensterstützen längs
geteilten Felder ergeben sehr schmale Bild-
flächen, in die das Bildwerk aufzuteilen war.
Nur 66 cm breit ist solch ein Teilstreifen. Es
ist ein Beweis erstaunlicher Kompositions-
kunst und zeichnerischen Könnens, daß es
Rößler vermocht hat, eine Fülle von Gestalten
in voller körperlicher Rundung, ohne Über-
schneidungen durch das Maßwerk des Fen-
sters, räumlich aufzuteilen. Haupt- und Neben-
gestalten sind durch perspektivisch richtige
Maßverhältnisse im Räume voneinander abge-
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