Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 44.1933

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INN EN-DEKORATION

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SPEISESAAL 1. KLASSE DER »CORD1LLERA«

AUSF. DEUTSCHE WERKSTÄTTEN —HELLERAU

SPEISESAAL AUF DEM DAMPFER »CORDILLERA<

Schon vor dem Kriege wurden eine Reihe von deut-
schen Überseedampfern, auch Offiziersmessen ein-
zelner Kriegsschiffe, von den Deutschen Werkstätten
und anderen Firmen nach Entwürfen moderner
deutscher Künstler ausgestattet. Diese Versuche, die
Passagierräume großer Dampfer in einem unserer
Zeit und der besonderen Bestimmung gemäßen Sinn
einzurichten, blieben aber zunächst vereinzelt; denn
so fortschrittlich die Reedereien in bezug auf Kon-
struktion und technischen Ausbau der Schiffe waren,
so konservativ pflegten sie in der künstlerischen Aus-
stattung zu sein. Bis über den Krieg hinaus herrschte
die Auffassung, das internationale Publikum ver-
lange für die Ausstattung der I. Klasse und der
Luxusräume historische und vor allem die französi-
schen Stile. Die Wendung kam in den letzten Jahren
von Seiten der großen deutschen Schiffahrtsgesell-
schaften, der Hamburg-Amerika-Linie und des Nord-
deutschen Lloyd, die, in der richtigen Erkenntnis der
Bedeutung dieser Aufgaben, die Ausstattung der
Innenräume der neuen großen Dampferbauten neu-

zeitlichen Künstlern und Werkstätten übergaben.

Mit der ungeheuren Zunahme der Bedeutung der
Verkehrsmittel wuchs auch in breiteren Kreisen das
Verständnis für die abgegrenzte Eigenart ihrer Formen,
für das Spezifische ihrer Schönheit; es entwickelte
sich das Gefühl für die Unvereinbarkeit der histo-
rischen Formen mit der Welt der bewegten Dinge.

Denn die Architektur des Fahrzeugs hat ihre ganz
eigenen Gesetze. Ihre Formgebung ist von der der
unbeweglichen Bauten grundsätzlich verschieden.
Ein antiker Tempel, eine Kirche, ein Rathaus können
nicht fortbewegt gedacht werden. Das innere Gesetz
des ruhenden Baues ist das der horizontalen Last auf
der vertikalen Stütze. Jede Bewegung lockert diese
Zusammenhänge und bringt den Bau zum Einsturz.

Das Fahrzeug hingegen muß in allen seinen Teilen
eine festverbundene Einheit sein. Die Funktion des
Lastens und Tragens ist seiner Formgebung fremd;
an Stelle der klaren Horizontale und Vertikale be-
stimmen Kurven seine Gestalt. Kurven, die zugleich
Voraussetzung für die Festigkeit, Anpassung an die
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