Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 44.1933

Page: 312
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/innendekoration1933/0326
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
312

INNEN-DEKORATION

KLEINE HAUSBAR

Die Hausbar ist ein Kind unserer Zeit oder viel-
mehr der geselligen Formen unserer Zeit. Sie
ist die jüngere Schwester des »kalten Büfetts«, nur
kapriziöser und lustiger. Und beide haben in der
großen Familie »Geselligkeit« ältere und pompösere
Verwandte mit sehr glanzvoller - oder doch wenig-
stens scheinbar glanzvoller - Lebensart: das Diner
mit vielen Gängen und abgestimmten Tischweinen,
nach dem sich die Herren zu zwar gedämpfter, aber
feuchter Fröhlichkeit ins Rauchzimmer zurückzu-
ziehen pflegten, während die Damen im Salon einen
Mokka nahmen . . . Alles in allem war eine solche
Veranstaltung sicherlich immer sehr vornehm, aber
nur manchmal wirklich unterhaltend und zwanglos.

Mit der Hausbar ist es umgekehrt. Sie kann mit-
unter sehr vornehm und elegant sein, aber bestimmt
ist sie immer kurzweilig und fidel. Sie hat stets
etwas Improvisiertes: sie ist die köstliche Mischung
eines tadellos geführten, gutbürgerlichen, immer auf
Gäste eingestellten Haushalts und einer bohemehaf-
ten und unbeschwerten Gastlichkeit, die stets bereit

ist, zu geben und zu teilen, was sie besitzt, auch
wenn - sie einmal »zufällig« gar nichts besitzen sollte.
Nie wird ihr der Gast deswegen böse sein. Denn es
ist ihm weniger um materielle Güter zu tun in
dieser Umgebung, sondern er sucht die roman-
tische, bunte und anziehende Atmosphäre . . .

Es klingt paradox: aber in oder an einer Hausbar
ist der große Alkoholvorrat gar nicht das Wichtigste.
Das Wichtigste ist ihre ständige Bereitschaft, mit uns
fröhlich zu sein, aber ohne Aufdringlichkeit. Sie ist
ein Buen retiro aus der Alltagsbahn, von einem
Hauch Romantik, den schwebenden Träumereien
einer »heure bleue« oder den lustigen Erinnerungen
eines »ausgedehnten Abends« umwittert, auch wenn
sie sich rein äußerlich bis zum Exzentrischen sach-
lich gebärdet. Glas, Messing, kühle, glatte Flächen,
indirektes, unsentimentales Licht. Sie sind ja nur
der immer bereite Rahmen für die kleinen Erleb-
nisse, die wir selbst in sie hineinbauen. Kleiner
Erlebnisse rund um ihre hohen schmalen Stühle, ihre
silbernen Coktailbecher und flachen Schalen ... t. h.
loading ...