Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 44.1933

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ludwig kozma— budapest »halle« kamin gelb-orange - ausstellung neuer wohnräume derthonet a.g.in budapest

Lichtheit, vor allem aber an elementarer Proportio-
nalität dem Durchschnittsbauen wieder zurückge-
wonnen hat, das kann gar nicht hoch genug einge-
schätzt werden. In diesem Ethos des neuen Bauens
ruht das Vorbildhafte, das auf den, der in solchem
Bau wohnt, zweifellos günstig einwirkt.

Aber man braucht gar nicht unbedingt in solch
modernem Bau zu wohnen, um die Einwirkung der
Einrichtung der eigenen Charakterentwicklung nutz-
bar zu machen. Man muß nur bei eben diesem Sich-
Einrichten darauf achten, daß die von uns geschaf-
fene Einrichtung wieder auf uns zurückwirkt. Nicht
nur, indem sie uns den anderen verrät, charakterlich
deutlich macht. Sondern indem sie unser alltägliches
Leben unbemerkt formt und zwingt. Nicht nur mein
augenblickliches Behagen darf ich bei dem Bauen und
Einrichten bedenken, sondern auch jenes ethische
Ziel, das ich meinem Leben gesteckt habe. In der
Einrichtung kann ich mir einige Richtungspunkte
zu jenem hin festlegen. Die Ordnung meines Alltags
wird ganz wesentlich dadurch beeinflußt werden. Mein
Haus kann in manchem mein Vorbild sein. Dr. r. ■-.



JEDES VOLK schafft sich in seiner Kultur ein
schöneres Spiegelbild seines Selbst. langbehn

DER GEGEBENE ZWECK, das konstruktive
Können der Gegenwart, sowie das technische
Material sind die Elemente, aus denen und mit denen
der wahrhaft schöpferische Geist seine Werke gestal-
tet. Ohne Angst, das gefundene und überlieferte Gut
der Vorfahren zu verwenden, mutig genug, das selbst-
gefundene gute Neue mit ihm zu verbinden! Denn es
ist ebenso kleinlich, beim Bau eines Theaters etwa
äußerlich leugnen zu wollen, daß wir hier nur die
Erneuerer und Fortführer einer bereits seit Jahr-
tausenden wesentlich gegebenen Institution sind, wie
es umgekehrt ebenso unerträglich ist, einer modernen
Maschinenfabrik oder einem Elektrizitätswerk grie-
chische oder gotische Formelemente äußerlich auf-
kleben zu wollen. . .

NICHT JEDER KÜNSTLER wird die letzte Voll-
endung finden, allein alle sollen sie suchen. Jedem Volk
sind seine natürlichen Grenzen gezogen. - Der gottbe-
gnadete Künstler aber wird als die einmal mensch-
gewordene komprimierte Fähigkeit seines Volkes stets
den durchschnittlichen allgemeinen Erkenntnissen
voraneilen und unbewußt jene Gestaltung finden, die
als höchste und erhabenste Schönheit empfunden und
gesehen, als klarste Zweckmäßigkeit aber oft erst nach
Jahrtausenden bewiesen werden kann, adolf hitler
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