Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 44.1933

Page: 261
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/innendekoration1933/0275
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
INNEN-DEKORATION

261

architekt carl müller —köln

»schlafzimmer« im hause m.

FRAGEN DER BELEUCHTUNG

Die Fragen der Beleuchtung, wie sie sich der mo-
dernen Raumgestaltung stellen, sind voll von
Schwierigkeiten und schwer an Bedeutung. Was will
das künstliche Licht in der neuzeitlichen Wohnung?
Es will hier in reicher Strahlung auftreten und den
Raum mit Helle überschütten. Es will sich dort in
zarten Dämpfungen abwandeln. Die technischen Mit-
tel zu beidem stehen bereit, doch erfordert es viel
Takt, sich ihrer sinnvoll zu bedienen. Zur Erzielung
einer Lichtfülle, die schattenfrei ist und dabei ange-
nehm wirkt, empfiehlt sich die indirekte Beleuchtung,
die auf verschiedene Helligkeitsgrade einstellbar ist.
In Wohnräumen, wo eine feine Gliederung der Licht-
führung erwünscht ist, werden sich gut verteilte
Steh- und Tischlampen immer am besten bewähren.

Das Schlafzimmer braucht als eigentliche Raum-
beleuchtung ein gleichmäßiges Streulicht, das zu-
gleich guten Einblick in Schränke und Kommoden
ermöglicht; es wird in vielen Fällen am zweckmäßig-
sten unmittelbar unter der Decke angebracht. Die
Leselampe am Bett sollte auf bequemste Weise,
ohne daß man sich zu erheben braucht, durch einen

Druckknopf anzuzünden und auszuschalten sein.

Ein Umdenken ist nötig in bezug auf die Hänge-
leuchter. Die vergangene Zeit hat sie in der Weise
von Einrichtungsgegenständen, als eine Art schwe-
bender Möbelstücke behandelt; begreiflich, da die
alten Lichtquellen (Kerze, Ölbehälter, Glühstrumpf)
immer auch selbst Körper und Masse hatten. Bei der
elektrischen Beleuchtung fällt das fast völlig weg.
Daher widerstreben unsrem Gefühl alle jene Hänge-
leuchter, bei denen die massiven Werkstoffe wie Me-
tall, Holz, Glas, Porzellan übermäßig betont in den
Vordergrund treten; wir empfinden in diesen Fällen
ein Mißverhältnis zwischen dem Zweck und dem
Aufwand an Mitteln. Aus diesem Grund ist auch die
Umarbeitung von Beleuchtungskörpern aus der Vor-
zeit des elektrischen Lichtes unmöglich und als ge-
schmacklos zu bezeichnen. Als Grundsatz ist festzu-
halten: Jeder Lichtträger muß sich in Volumen und
Stärke des Materials an dasjenige Maß halten, das
ihm durch die Forderung der Stabilität gesetzt ist.
Denn die Lichtquelle ist ein Ding ohne Schwere, das
keiner Tragkraft bedarf, prof.fritzauoust breuhaus
loading ...